Neu im Kino: Der jugendliche Actionfilm „Chronicle - Wozu bist du fähig“ ist im Stil privater Videos gedreht

Drei Normalos mit Superkräften

Fühlen sich allmächtig: Michael B. Jordan (links) als Steve und Dane DeHaan als Andrew sitzen auf einem Hochhausdach in Seattle. Foto: dpa

Wenn die Kartoffelchips direkt aus der Packung in den geöffneten Mund fliegen und wenn ein Laubbläser so pustet, dass er die Röcke der Mädels verführerisch lupft, dann sind heranwachsende Jungs kaum noch glücklicher zu machen. Josh Trank erzählt von drei Highschool-Burschen mit telekinetischer Begabung in seinem etwas anderen Superheldenfilm „Chronicle - Wozu bist du fähig?“ – und über weite Strecken gelingt ihm ein erfrischend neuer Zugang. Erzählerisch wie visuell.

Trank fragt sich nämlich, was drei ganz normale Oberstufenschüler damit anfangen würden, wenn sie auf einmal Objekte durch Willenskraft bewegen könnten. Die Welt retten wie in herkömmlichen Abenteuern dieser Gattung? Das steht auf der Prioritätenliste Heranwachsender nicht sonderlich weit oben. Eher das Bedürfnis, an Mädchen ranzukommen und zum coolen Checker zu werden.

Wie es überhaupt kommt, dass Andrew (Dane DeHaan), Steve (Michael B. Jordan) und Matt (Alex Russell) so stark werden, ist dabei nebensächlich. Sie waren in einer Höhle in den Bann eines leuchtenden Objekts geraten, aber darum geht es nicht. „Chronicle“ ist vielmehr das Porträt einer Jugend, deren Glück auf Messers Schneide liegt, und die immer in der Gefahr schwebt, in Selbstüberschätzung maßlos zu werden und dann abzustürzen. Sehr anspielungsreich. Ein von ihnen entfesseltes XL-Fiasko mit Explosionen und Toten gibt es dann im Finale - und da liegt die Schwäche des Films, der hier zu bierernst und unoriginell wird.

Bis dahin aber: toll. Denn Trank erzählt optisch aus der Perspektive des Losers Andrew, der sich eine Filmkamera gekauft hat und sein Leben dokumentieren will. Die Filmperspektive ist deckungsgleich mit Andrews Kameraperspektive, und das schafft einerseits ein hohes Maß an Identifikation und andererseits viel erzählerische Innovation, denn der Regisseur zitiert einen Home-Video-Stil wie aus jenen privaten Filmchen, die man im Internet findet. Fällt Andrew die Handkamera hin, sehen wir das Bild gekippt oder mal unscharf. Wir sehen sein Jugendzimmer im Spiegel, wir sehen die Experimente, mit denen die drei ihre Superkräfte ausprobieren. Später, als sie fliegen können, können sie auch die Kamera fliegen lassen - ein Kniff, der zusätzliche visuelle Freiheiten bietet. Steuert die Geschichte dann auf den Abgrund zu, arbeitet „Chronicle“ mit Bildern, die vermeintlich von Überwachungskameras aufgenommen wurden, im Krankenhaus oder bei der Polizei.

Genre: Action

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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