Ab heute hat die Neue Galerie in Kassel für die Besucher geöffnet - Ein Überblick über die Sammlung

Drei Säulen hat das Haus

Auch die Skulptur ist vertreten: Auguste Rodins „Amor und Psyche“ im Raum zum Deutschen Impressionismus. Foto: dpa/Zucchi

Kassel. Heute wird die für knapp 25 Millionen Euro sanierte Neue Galerie in Kassel mit einem Tag der offenen Tür (10 - 20 Uhr) vorgestellt. Was ist eigentlich dort zu sehen?

Wer das neu geschaffene, großzügige Foyer durchschritten hat, gelangt zuerst in drei sogenannte Auftakträume. In der Mitte Malerei der Gegenwart: vier Gemälde, darunter das Beuys-Doppelporträt von Andy Warhol. Rechts geht es in einen Raum, der an die „Königlichen Gemäldegalerie“ erinnert, die nach dem Vorbild der Münchner Alten Pinakothek in den 1870er-Jahren errichtet wurde, und in einem kurzen Abriss die Sammlungsgeschichte erzählt. Links tritt man in einen documenta-Raum mit Modellen und Fotografien der Großskulpturen im Kasseler Stadtbild sowie Gerhard Richters Porträt des documenta-Gründers Arnold Bode.

Die drei Räume stehen für deren Schwerpunkte, für die drei Säulen des Hauses: Kunst des 19. Jahrhunderts mit Spitzenleistungen der Kasseler Akademie, documenta-Geschichte mit dem Herzstück eines Raums für den prägenden documenta-Künstler Joseph Beuys, ungegenständliche, monochrome Malerei des 20. Jahrhunderts. Die Kunst des 18. Jahrhunderts wurde vollständig ausgegliedert. Sie wird in die Präsentation im Schloss Wilhelmshöhe integriert. Werke der Tischbein-Familie sind im Weißensteinflügel und in Wilhelmsthal zu sehen.

In einem Spannungsbogen von der Romantik bis heute wird der Besucher (mithilfe von Begleitheft mit Raumtexten, Lageplan und Audioguide) chronologisch durch die Kunstgeschichte geleitet. Eindrucksvoll vertreten ist auch der Übergang zu Impressionismus und Klassischer Moderne.

Den Anfang macht im Erdgeschoss aber Johann Martin von Rhodens „Tageszeiten“-Zyklus (1829-39), weil er für zwei „Entdeckungen“ des 19. Jahrhunderts steht, wie die Leiterin der Neuen Galerie, Marianne Heinz, am Mittwochabend beim Festakt zur Eröffnung erläuterte: die Naturbeobachtung und die neue Behandlung des Lichts. Für das Verständnis sei die Präsentation des 19. Jahrhunderts „nicht nur dienlich, sondern geradezu unerlässlich“, betonte Heinz.

In den Kabinetten im Erdgeschoss folgen die Nazarener, Biedermeier, Historismus, Salonmalerei, Jugendstil, die Malerkolonie Willingshausen und der vielseitige Louis Kolitz, ehe im Obergeschoss mit dem „Siegeszug des Impressionismus und der Auflösung des Gegenstandes“ weitere Höhepunkte warten, darunter die einzigen deutschen Neoimpressionisten Paul Baum und Curt Herrmann und Lovis Corinths Walchenseelandschaft von 1924. Für Fritz Winter und Ernst Wilhelm Nay gibt es Künstlerräume, ehe der Rundgang über Informel, Pop Art, gestische und konkrete Malerei mit den jüngsten documenta-Ankäufen in der Gegenwart endet.

Schöne Aussicht 1, Kassel. Heute 10 bis 20 Uhr, Eintritt frei. Danach Di-So 10-17 Uhr, Do bis 20 Uhr, Eintritt 4 Euro, Studenten: 2 Euro, bis 18 frei. Audioguide: 3 Euro. www.museum-kassel.de, Tel. 0561/316 80 400. Kataloge: Meisterwerke (24,95 Euro), Architektur (19,95 Euro).

Von Mark-Christian von Busse

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