Johanna Wagner

Starke Schilderungen: Dritte Auflage für Bericht aus Südamerika von Melsungerin

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Johanna Wagner

Melsungen. Wenn junge Menschen ein Buch schreiben, geht das gern schief. Nicht so bei der Melsungerin Johanna Wagner. Sie hat vor vier Jahren Südamerika bereist und dort viel fotografiert und viel geschrieben.

Nun ist daraus ein beachtliches Büchlein geworden: „Schlaflos in der Regenzeit“. Auf nicht ganz 200 Seiten entführt die Physiotherapeutin, die in Coburg Integrative Gesundheitsförderung studiert, in die hintersten Ecken von großen Städten und kleinen Dörfern.

Der geübte Leser ist verblüfft, wie eine ungeübte Schreiberin ihn durch Peru führt. Wie sie ihn verführt. Dass eine Abiturientin über solche stilistische Souveränität verfügt und solche metaphorische Kraft entwickelt, ist ungewöhnlich. Sie beschreibt, wie in den Armenvierteln von Lima „Gestank von Dreck und Exkrementen, Krankheiten und Problemen die Luft belagern“. Und lässt die Leser auf trockene, kompakte Sätze aufprallen: „Die ganze Stadt stinkt. Nach Armut und Benzin.“ Beinahe willenlos folgt man Wagner, deren Anspruch an das Schreiben ist, „meinen Kopf in eine lesbare Form zu bringen“. Solche Ansprüche landen leicht im Manierismus oder gar im Kitsch. Nicht hier. Hier wird aus dem Protokoll einer Reise beachtliche Literatur.

Ein logische Weiterentwicklung des sprachlichen Zugriffs sind Wagners Fotos, gut zwei Dutzend. Man staunt erneut. Starke Dokumente des Erlebten sind diese Bilder, nicht nur des Gesehenen. Aber das passt: Wer so schreibt, kann auch nicht anders fotografieren.

Johanna Wagner: Schlaflos in der Regenzeit. Selbstverlag, 173 S., 9,95 Euro. www.marieposamedien.com

Von Günter Gleim

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