Michael Schiller und Roland Baisch mit einem „Männerabend“ in Vellmar

Im Dschungel der Emotionen

Michael Schiller

Vellmar. Dass bei dem im Rahmen des Vellmarer Kultursommers aufgeführten Theaterstücks „Männerabend“ der weibliche Anteil im Publikum siebzig Prozent ausmachte, sagt doch eigentlich schon alles. Für Frauen sind Männer ein Spiegel, in dem sie sich betrachten. Zumindest fühlt sich Tom (Michael Schiller) so, der gerade von seiner Heike verlassen wurde.

Sie litt schon seit einiger Zeit unter Langeweile, Perspektivlosigkeit und mangelnder Selbstverwirklichung, doch für ihn kam die Trennung völlig überraschend. Und nun sitzt er auf Umzugskartons in der einsamen Wohnung und muss in einem Abschiedsbrief lesen, dass sich seine Noch-Frau in Südtirol mit einem italienischen Snowboardlehrer vergnügt.

Bald stellt er fest, das ähnliche Schicksale seinen Bekanntenkreis durchziehen wie Risse eine alte Hauswand. Wachtmeister Klaus, Althippie Jörg und DJ Ulf ( alle Rollen: Roland Baisch) wurden von ihren Frauen in den Single-Zustand versetzt, und weder im Fitnesscenter noch bei der Glaubensgemeinschaft der Hormonen findet er Ablenkung oder Erkenntnis.

Die äußerst amüsante Reise durch den geschlechts-philosophischen Dschungel der Emotionen gestalten die beiden Schauspieler kurzweilig und detailverliebt. Die Schuldfrage, Hoffnung auf Wiedervereinigung, Wahrnehmung des Partners - ernste Themen locker verpackt in einer grandios gespielten Inszenierung, die mit der Frage aufwartete: Wird der Mann es jemals schaffen, die Worte einer Frau nicht nur zu hören, sondern auch zu verstehen?

Heike kehrte am Ende dann doch zu ihrem Tom zurück. Liebe und Logik rudern halt in verschiedenen Booten durch die Stürme des Lebens. Großer Applaus.

Von Andreas Köthe

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