Gespickt mit großen Namen: Zeichnungen aus dem MoMA sind im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen

Ein Dschungel der Formen

Mit Gelb: „Untitled“ von Sigmar Polke, 2003. Foto: Moma/nh

Berlin. Über eine Million Besucher sahen die Bilder aus dem Museum of Modern Art (MoMA) vor ein paar Jahren in der Berliner Nationalgalerie. Nun tritt im Martin-Gropius-Bau die Sammlung von Zeichnungen aus dem MoMA an, die das Museum 2005 von der Judith Rothschild Stiftung geschenkt bekam. Sie ist weniger spektakulär, wie es das stille Medium gebietet, kann sich aber trotzdem sehen lassen. Doch wer ist Judith Rothschild?

Die 1993 gestorbene Malerin war eine amerikanische Künstlerin. Ihre abstrakten Werke haben es bis in die großen Museumssammlungen geschafft. Sie sind im Metropolitan Museum, im Guggenheim und im MoMA heimisch. Zeitlebens setzte sie sich für die Karriere und Unterstützung ihrer Kollegen ein. Dies spiegelt sich auch in der nach ihr benannten Stiftung, die amerikanische Künstler fördert. In ihrem Auftrag wurde gesammelt.

Erst zehn Jahre nach ihrem Ableben trugen Experten die riesige Sammlung, die jetzt in der „Kompass“-Schau aufgefächert wird, zusammen. Neben Rothschild-Stiftungspräsident Harvey S. Shipley Miller kauften der damalige MoMA-Kurator Gary Garrels sowie André Schlechtriem, heute Kunsthändler in Berlin, die Papierarbeiten von 650 Künstlern. Heraus kam ein Who’s who, aber auch ein Dschungel, in dem Zeichnungen in allen Farben und Formen blühen.

Vielleicht um Ordnung ins kreative Chaos zu bringen, tauchen beim Rundgang im Obergeschoss des Museums immer wieder imaginäre Landkarten auf - von Öyvind Fahlströms „Sketch for World Map“ (1972) bis Mona Hatoums „Routes II“ (2002). Daneben trifft Abstraktion, etwa von Cy Twombly, auf Figuration eines Peter Doig und Jo Baers geometrisch konstruiertes „Sex Symbol“ auf kreisrunden Wildwuchs des jungen Amerikaners Nick Mauss.

Neben Mauss und documenta-Künstlerin Hatoum sind eine Menge „Altmeister“ wie Martin Kippenberger, Paul McCarthy, Donald Judd und Robert Rauschenberg dabei, denn die Auswahl gibt einen Überblick über sämtliche Tendenzen und Techniken von den 50er-Jahren bis in die Gegenwart. Die 250 stillen, aufmüpfigen, farbenfrohen, konstruktiven und narrativen Blätter (von insgesamt 2600) sind erstmals über den großen Teich gereist.

Angefangen bei der gepflegt abstrakten und konzeptuellen Linien-Kunst über wilde Collage- und Assemblage-Techniken, die selbst den Einsatz von Körperflüssigkeiten nicht scheuen, bis hin zum figurativen Rätselraten zeitgenössischer Prägung breitet sich ein Panorama der Ideen aus. Gespickt ist es mit großen Namen, aber auch Newcomern wie Christian Holstad, Seb Patane und Amelie von Wulffen, die gerade erst zu MoMA-Weihen gelangten.

Bis 29.5. im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7. Mi-Mo 10-20 Uhr.  Info: www.gropiusbau.de

Von Andrea Hilgenstock

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