Dschungelcamp, Tag drei: Maschinen mit Herz

Kämpfer mit Herz: Ex-Fußballprofi Thorsten Legat erzählte im Dschungelcamp von seinem tyrannischen Vater. Foto: rtl

Der dritte Tag von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" brachte manches persönliche Bekenntnis ans Licht.

Wieder ein Tag der Beichten und Bekenntnisse: Im Grunde, das war Sonntagabend mal wieder überdeutlich, ist „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus“ eine echt traurige Geschichte.

Menderes Bagci zum Beispiel, der bekannt ist (wenn man von Bekanntheit außerhalb des RTL-Universums sprechen kann) als Dauerkandidat bei DSDS. Am Lagerfeuer im „Snake Camp“ fühlt er sich erstmals als Mensch akzeptiert und freundlich angelächelt, ohne als Witzfigur gedisst zu werden („Die meisten nehmen mich ja eh nicht mehr für voll und denken, ich habe nicht alle Tassen im Schrank“). Es hat schon eine besondere Ironie, dass Menderes diese positive Erfahrung, akzeptiert zu werden von Menschen, die ihn nicht vom Bildschirm kennen, nun ausgerechnet vor TV-Kameras macht, beobachtet von der Fernsehnation.

Während Menderes über den Mangel an Halt und Geborgenheit in seiner Kindheit sprach, gestand Thorsten Legat, der „Cyborg“ (so David Ortega), dass er vom Vater, der „alles versoffen“ hat, geschlagen und missbraucht wurde: „Ich habe ihn gehasst wie die Pest.“ Mit 15 hat er ihn dann niedergestreckt. „Legat die Maschine“, so Kollege Ortega – ein Kämpfer mit Herz.

Gunter Gabriel indessen hatte mit morgendlich düsteren Gedanken zu kämpfen und nannte sein Leben „eigentlich eine einzige Katastrophe“. Nun ja, immerhin hat seine Astrologin dem Country-Barden die Wende durchs Dschungelcamp prophezeit: „Es geht um den Rest meines Lebens“, weiß der 73-Jährige, der sich im Gespräch mit Doku-Soap-Berühmtheit Sophia Wöllersheim dann als sensibler Zuhörer zeigte. Die nämlich schilderte ihre jugendlichen Minderwertigkeitskomplexe. Den Mangel an Selbstvertrauen kompensierte sie mit Mega-Brüsten als Schutz und Fassade, die Frauenversteher Gabriel trocken kommentierte: „Das ist doch merkwürdig. Das ist ein Fehler.“ Der Sänger riet zur psychiatrischen Behandlung: „Das sind Defekte im Kopf.“

Womit wir nahtlos bei David Ortega wären, dem „Grandmaster Laberflash“, wie Moderatorin Sonja Zietlow lästerte, der diesmal mit seinen Gedanken über Tauben – die gab es samt Kopf zum Abendessen – und Dinosaurier erfreute: „Die Dinosaurier haben viel Scheiß gebaut, sonst wären sie nicht ausgestorben.“

„Richtig krass“ oder wahlweise „sehr sehr krass“ war dann die Dschungelprüfung, bei der David und TV-„Anwältin“ Helena Fürst in einer Art Sarg untergebracht und in völliger Dunkelheit mit allerhand Getier überschüttet wurden. David schrie und redete ununterbrochen („Alles gut, Alta“), während Helena verbissen, aber erfolglos zu Werke ging. Das Publikum beweist doch manchmal ein feines Gespür, wen es in die Prüfung schickt: Heute ist es wieder Helena. „Ich bin hier bei einer RTL-Umschulung“, klagte sie. Mal sehen, ob die Botschaft ankommt. Wenn Legat manchmal redet wie in der Umkleidekabine, dann Helena wie in der Strafanstalt: ein furchtbarer Ton.

Bei Rolf Zacher haben sich die Camp-Bewohner noch überhaupt nicht festgesetzt im Kopf: „Wie heißt der Spanier?“, fragte der 74-Jährige. Der nuschelnde Kochmützenträger, verkeilt im Dauer-Kleinklein mit dem fröhlichen Jürgen, den er als Besserwisser und Rechthaber beschimpfte, hatte sowieso kurzzeitig die Orientierung verloren: „Wie heißt die Veranstaltung hier?“ fragte er und verlangte, die Schallplatte mit den Grillen-Geräuschen abzuschalten.

Wie gesagt, eine traurige Geschichte, dieses Dschungelcamp.

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