Dschungelcamp: Die neue Sarah Dingens heißt Larissa

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Dschungelcamp: Die neue Sarah Dingens heißt Larissa

Vom ersten Moment war alles wieder da: Das Lästern, Gejammer und Gezicke, das Sich-selbst-Anpreisen, Streit um den Abwasch, Lümmeln auf den Liegen, die klaren Rollenzuschreibungen und eine rasante Gruppendynamik. Die achte Auflage des „Dschungelcamps“ ist von Anfang an wie eine Kopie der früheren Staffeln, nur noch krasser womöglich, und es macht sofort wieder mächtig Spaß.

Und es scheint, als habe Deutschland nur darauf gewartet: 7,66 Mio. Menschen (27,9 Prozent Marktanteil) sahen Freitagabend den Auftakt von „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ - der zweitstärkste Beginn aller Staffeln (2013 waren es mit 7,77 Mio./27,7 Prozent etwas mehr). Samstagabend schalteten in der Spitze 8,87 Mio. Zuschauer ein - die mit Abstand erfolgreichste Sendung des Tages.

Es sei die „bunteste und schillerndste Truppe“, die bislang mit Lipgloss und Tönungscreme zum „Winterfest der Armutszuwanderung“ aufgebrochen sei, versprachen gewohnt bissig die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Man glaubt es gern. Da gibt es den „Designer“ Julian mit den albernen Mittelinitialen F.M. Stoeckl („Ich bin in Berlin so bekannt wie das Brandenburger Tor“), den Schlagersänger Wendler, der sich so groß findet, dass er nur den Nachnamen verwendet („ich bin die geilste Sau der Welt“), dann aber doch Wert auf die Feststellung legt, „nur ein Mensch“ zu sein, den abgeklärten Camp-Vati, Schauspieler Winfried Glatzeder, und eine laut Selbstbeschreibung „typische Trash-TV-Alte“, die mal nackt in den „Bachelor“-Pool stieg, Melanie Müller aus Grimma, die sich dann aber als sehr sympathisch bodenständig erweist („Ihr seid doch nicht aus Zucker, Leute“, „jetzt reiß dich mal zusammen“).

„Alle kerngesund, zumindest körperlich“, fasste Zietlow zusammen.

Und dann gibt es Larissa. Larissa Marolt, österreichische „Topmodel“-Gewinnerin, eine Art Extrem-Reinkarnation der legendären Sarah „Dingens“ Knappik aus der fünften Staffel, so desorientiert und egozentrisch, dass die übrigen Kandidaten abwechselnd zu Therapeuten mutieren müssen oder die Prügelstrafe einführen wollen. Patzig, weinerlich, ohne realistische Selbsteinschätzung („vier Sterne, was wollt’s ihr mehr?“ - „noch sieben“, antwortete Daniel Hartwich, denn elf waren zu gewinnen), „völlig verbimmelt und verpeilt“ eben, wie es die hübsch sächselnde Melanie so schön ausdrückte.

Schon beim Einpacken ihrer Unterwäsche hatte die 21-Jährige eine erhebliche Überforderung offenbart, dann hatte sie Sorge, das Lagerfeuer könne sie verbrennen, das scheinbar arme, unverstandene Hascherl („mein Herz ist tot“), das aber die Krallen ausfuhr, sobald es um den Küchendienst ging. Man sah sie fassungslos, ihre Show, all die Tränen und das jämmerliche Wimmern um Zigaretten.

Ex-„Ruck Zuck“-Moderator Jochen Wendel sprach von der „Fukushima unter den Kandidaten“: „Da laufen die Brennstäbe heiß, und wir müssen kühlen, kühlen, kühlen.“ Ruck zuck schossen sich auch die anderen Kandidaten auf Larissa ein: „Vom Wickeltisch gefallen“, „neurotische Störung“, „die wird im Irrenhaus landen“, ein Fall für Betreutes Wohnen und so weiter und so fort.

Nun funktioniert das „Dschungelcamp“ so, dass Konkurrenten und Publikum natürlich ausgerechnet Larissa in die Ekel-Prüfungen wählten. Ein besonderes feines und ausgeprägtes Sensorium brauchte es nun wirklich nicht, um zu wissen, wen man am leichtesten quälen, wer den unglaublichsten Auftritt liefern würde. „Hässlich und gemein“ fand Senior Glatzeder das von den Zuschauern, als wüsste er nicht, dass genau das das Prinzip der Sendung ist. Frag nach bei Georgina Fleur.

Larissa hingegen hatte, konfrontiert mit Spinnen, Ratten, fermentierten Eiern sowie Kakerlaken-, Grillen- und Grünameisen-Schleim immer noch nicht wirklich begriffen, wo sie da gelandet war („ihr Gehirn ist noch nicht da“, vermutete „der Wendler“). „Ich verklag RTL“, rief sie mehrmals, wunderte sich über „die krassesten Bedingungen auf Gottes Erden“ („seid’s ihr irre?“, „seid’s ihr deppert?“, „das ist so nicht kommuniziert worden“). Nein, nicht im Studio in Köln wird das Camp gedreht: „Das ist alles so echt“, staunte sie. Das nächste Mal will die Klagenfurterin ihren Vertrag vorher lesen und die Sendung auch mal schauen, an der sie teilzunehmen beschließt. Prima Idee, Larissa.

Von Mark-Christian von Busse

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