Dschungelcamp: Warum die Sendung zum Niederknien lustig ist

Schleimdusche: Bei der Dschungelprüfung traten (v.l.) Jochen Bendel, Marco Angelini, Melanie Müller und Gabby de Almeida Rinne an. Foto:  RTl

Großartig am Dschungelcamp ist auch, wie die eigene Wahrnehmung jeden Tag auf die Probe gestellt, das eigene Urteil immer wieder als mindestens vorläufig, wenn nicht völlig verfehlt entlarvt wird.

Mola Adebisi und Larissa Marolt machen derzeit eine erstaunlich gegenläufige Entwicklung durch. Der 40-jährige Ex-Viva-Moderator entpuppt sich als Besserwisser und Weichei, das auch noch die Unverfrorenheit besaß, den eigenen „Prüfungs“-Abbruch der tapferen Larissa anzukreiden - „so fantasievoll nacherzählt, er könnte auch die Steuererklärung vom Hoeneß machen“, wie die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich anmerkten. Sein Oszillieren zwischen Jammern („ich bin unterernährt und dehydriert“, „ich muss hier sehr viel Substanz lassen“, „das ist seelisch sehr, sehr belastend“) und übersteigertem Selbstbewusstsein („ich unterhalte mich sehr gern auf hohem Niveau“): ziemlich unerträglich. „Am Ende muss ich ja mein ganzes Leben mit mir klarkommen“, weiß Mola. Die Herausforderung, mit diesem Dschungel-Auftritt und der Publikumsreaktion darauf klarzukommen, dürfte erstmal groß genug sein.

Larissa hingegen gewinnt von Tag zu Tag an Sympathien. Sie ist in ihrem pubertären Narzissmus so ehrlich und unverfälscht, dass es schon wieder niedlich ist - und beeindruckend, wie sie ihr Ding durchzieht und plötzlich Biss entwickelt. Abwechselnd ergibt sie sich in ihre Rolle der um sich selbst kreisenden, divenhaften, schusseligen Nervensäge und sträubt sich dagegen („Ich will nicht das Nesthäkchen sein“). Sie kämpft einen großen Kampf mit Blutegeln („Zigarette! Zigarette!“) und anderen Gesundheitsgefahren („ich glaub, ich hab ´n Finger gebrochen“), aber vor allem mit sich selbst - schließlich hat sie sich „noch nicht an mich gewöhnt“. Die Beichten und Bekenntnisse der Ex-Queensberry-Sängerin Gabby Rinne (Kind mit 16, Affäre mit Sido, von Justin Bieber angebaggert…) wirken dagegen genauso kalkuliert wie Gespräche über die Vorzüge von Vibratoren oder die Nacktszenen von Camp-Mutti Melanie Müller. Und wer Gabby in der ganz schlimm ekligen, aber sehr lustig präsentierten gestrigen Prüfung „Der Preis ist Reis“ erlebt hat, muss Abbitte leisten: Dagegen hat Larissa, inzwischen mit acht Nominierungen in Folge die Weltrekordhalterin als Dschungelprüfling („international heißt, in Deutschland?“), ihre Sache prima gemacht. Naja, jedenfalls ab und zu.

„Ich bin einfach so, wie ich bin“ - es ist ein bisschen bestürzend, wenn das so stimmt und nichts Strategie ist, es eröffnet Larissa aber alle Chancen einer Läuterung und mithin auf größte Sympathien. Auch ihre Tränen, als Julian F.M. Stoeckel gestern überraschend rausgewählt wurde: echt rührend. So wickelt sie das Publikum um den Finger. Wie sich die Älteren, etwa der strenge Camp-Senior Winfried Glatzeder mit seinem merkwürdigen Selbstbild als erfahrener „Tatort“-Ermittler („ich bin ja Kriminalist…“), als Erziehungsberechtigte aufspielen und über Larissa sprechen, als sei sie gar nicht da, stellt diese selbst in ein immer unangenehmeres Licht (wobei Jochen Bendel als Camp-Psychologe eine ganz gute Figur abgibt). „Wenn ich Euch nerve, habt´s Ihr keine Nerven“, so sagt es Larissa. Auch eine Lösung.

Fotos: Gabby erträgt Ekelprüfung nicht und verliert Sterne

Gabby erträgt Ekelprüfung nicht und verliert Sterne

„Larissa muss gewinnen!“, fordert inzwischen ein Leitmedium der Dschungelcamp“-Berichterstattung, „Spiegel Online“. Tatsächlich ist sie eine phänomenale Unterhalterin. Man wünscht sich schon eine Dokusoap aus dem Hotel ihrer Eltern bei Klagenfurt, von dem sie zum Niederknien lustig erzählte: Neben dem Hausburschen Engelbert, dem heimlichen Star dieser Staffel, kennen wir nun auch den Abwäscher Pauli und wissen, dass ihre Eltern ein Traumpaar sind, das sich fast umbringt, und dass ihre Geschwister glauben, Larissa habe einen „Vollschaden“: „Ich hatte keine normale Kindheit. Jeder ist so crazy. Sowas habt´s Ihr noch nicht erlebt.“ Das Hotel müsste eigentlich jetzt über Monate ausgebucht sein. Aber bis zum Sieg ist es noch ein langer Weg. Denn alles ist in Bewegung, nichts ist festgefahren und vorausschaubar. Genau das macht den Reiz dieser herrlichen Show aus.

Von Mark-Christian von Busse

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