Zenit ist überschritten

Das Dschungelcamp steht kurz vor dem Finale: Wir ziehen Bilanz

Kassel. Zwei Wochen Camp liegen hinter den Dschungelbewohnern, Samstagabend fällt die Entscheidung, wer Dschungelkönig 2015 wird. Zeit, ein Fazit zu ziehen.

Die Quoten sind immer noch exzellent: Mittwochabend hatte „Ich bin ein Star“ einen Marktanteil von 40,9 Prozent. 6,67 Millionen Menschen sahen zu.

Die Kandidaten

Als ein Manko dieser neunten Staffel entpuppte sich die Auswahl der elf Kandidaten. Angelina wer? Sara was? Tanja Tischewie? Bei all den DSDS- und „Bachelor“-Sternchen gab es niemanden, der einen wirklich neugierig machte. Gut, Maren Gilzer und Rebecca Siemoneit-Barum hatte man auf dem Schirm. Aber Jörn? Aurelio? Da kann man sich nicht mal den Nachnamen merken (Schlönvoigt, Savina).

Bislang gab es zahlreiche Kandidaten, die man aus völlig anderen Zusammenhängen tatsächlich kannte, die vielleicht in Vergessenheit geraten, aber echt prominent waren. Sie unter verschärften Dschungel-Bedingungen kennenzulernen, war spannend. Von Costa Cordalis, Lisa Fitz und Jimmy Hartwig bis Brigitte Nielsen, Günther Kaufmann, Rainer Langhans und Helmut Berger kommt da eine lange Liste zusammen. Ein Walter Freiwald füllt diese Lücke nicht. (vbs)

Das Phänomen Walter

Apropos. Ohne Walter Freiwald – der sich nicht mal die Vornamen seiner Mitstreiter merken konnte („Aurelius“) – wäre die Sendung vollends versandet. Der 60-Jährige, als Einziger mit aggressiv zur Schau gestelltem Ehrgeiz, hielt sich für: Sternekoch, Mädchenschwarm, Bundespräsidenten-Kandidat, möglicher „Wer wird Millionär?“-Moderator. Er polarisierte und provozierte. Und schloss von sich auf andere, wenn er anderen Herrschsucht vorwarf, oder sich krankhaft nach vorn zu drängeln und „hochzumogeln“. Ein bisschen hörte sich Walter zuletzt an wie Jesus („Die Wahrheit bin ich“). Dem Publikum war’s zu viel Selbstüberschätzung – er wurde rausgeschmissen. (vbs)

Die Dschungelprüfungen

Lahm wie selten. Es gab die Ekel-Klassiker, bei denen Kroko-Penis und Schweine-Anus gegessen wurden, Sterne in engen, dunklen Räumen gesucht werden mussten. Sich aber Gegenstände einzuprägen, wenn man von Fliegen umgeben ist, völlig ungefährliche Tiere wegzuschieben oder kurz in Wasser getränkt zu werden, um dann einen Ball in einen Korb zu werfen – das war harmlos. Und langweilte. Kein Wunder, dass die Prüfungen nur noch Beiwerk sind. (nic)

Die Moderatoren 

Haben sich gefangen, weil sie aus der Not eine Tugend machten: Sonja Zietlow und Daniel Hartwich verhöhnen den Mangel an Eifer und Präsenz. Sie tun gar nicht so, als passiere Aufregendes und saugen daraus ironischen Honig. Aus „Maurelio“ wird der „Wolf im Schlafspelz“, Walter moderierten sie an: „Vorhang auf zur nächsten Wahnvorstellung.“ An Biss fehlt es dem Duo nicht. 500.000 Euro bekomme der Gewinner extra, dachte Aurelio, dessen „Manager“ wohl nicht mal den Vertrag gelesen hatte. Hartwich: „500.000 Euro für zwei Wochen Stillstand? Wir sind doch nicht der Flughafen Berlin.“ (vbs)

Das Format

Hat wohl trotzdem seinen Zenit überschritten. Nach neun Staffeln gibt es keine Überraschungen mehr. Deshalb kann die Sendung nur durch Neuerungen gerettet werden. Die RTL-Verantwortlichen wandeln auf schmalem Grat. Der Grundgedanke des Dschungelcamps sollte erhalten bleiben, aber es muss zwingend aufgepeppt werden. (nic)

Der Titel „Dschungelkönig“ 

Statt der von Aurelio erträumten Prämie winken eine Krone, ein Zepter und garantierte TV-Auftritte in den kommenden Wochen. Dann verschwinden die Könige meist aus der Öffentlichkeit. Oder wissen Sie, was Joey Heindle, Désirée Nick oder Peer Kusmagk zurzeit machen? (nic)

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