Dschungelcamp: Der Wendler hat sich zerlegt

Schießt sich ins Abseits: Michael Wendler. Foto: rtl

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass es in diesem Jahr bei „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ erst eine einzige Schatzsuche gab? RTL muss dieses In-Wallung-Bringen gelangweilter Lagerfeuer-Liegenlümmler diesmal überhaupt nicht zeigen, die Camp-Bewohner sorgen selbst für beste Unterhaltung.

Und auch ein Ex-Insasse trägt das Seine bei. Mit Stoff für Überlängen. Es ist die beste Staffel ever, ever, ever! „Der Wendler“ liefert die peinlichste Selbstdemontage, die seit langem über deutsche Bildschirme geflimmert ist. Hatte man schon nicht verstanden, warum er seine Konkurrenten um den Dschungel-Königsthron plötzlich verlassen wollte (pure Berechnung, vermuteten die, der Wille, alle Aufmerksamkeit allein auf sich zu ziehen), wollte der Discoschlager-Barde nun plötzlich zurück in die grüne Hölle - nur weil ihm sein Australien-Begleiter sagte, wie gut sein Auftritt doch in Deutschland angekommen sei. Sensationell dreist sein Versuch, RTL zur Manipulation anzustiften: Er könne auch unterschreiben, keinen Kontakt zur Außenwelt gehabt zu haben ... Der Sender, der den Schlagersänger nun ins allerschlechteste Licht stellt, erweist sich selbst für einen Wendler (von den spöttischen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich am liebsten Wendlerin genannt) als übermächtiger Gegner. 7,43 Millionen Zuschauer (33,1 Prozent Marktanteil) schauten zu, wie sich „der Wendler“ zerlegte und zerschoss: ein Wendlerchen, Wendlerbruch.

Es genügt schon, all die absurden Sprüche über des Wendlers „Grenzwalking“ beim Mega-Menü im Hotel zu bringen: „Ich wär’ hundertprozentig Dschungelkönig geworden.“ „Das war der härteste Ritt meines Lebens.“ „Ich hab’ so ’n bisschen meine Seele abgewaschen.“ „Ich hab’ echt die Hosen runtergelassen, mehr als jeder andere Star vor mir.“

Das ist Fernsehen zum Erbrechen, viel mehr jedenfalls als die gestrige Dschungelprüfung, bei der Ex-„Bachelor“-Kandidatin Melanie couragiert und taff pürierten Anus vom Buschschwein schluckte und ein Fischauge aß (und „Topmodel“ Larissa, wie sollte es anders sein, sich schmählich verweigerte).

Im Camp verbrannte man unterdessen erleichtert das Wendler-Parfüm, seine Kleidungsstücke waren den verbliebenen Z-Promis nicht mal einen Feldbettvorleger wert (Winfried Glatzeder: „Das wollen selbst meine Füße nicht spüren“).

Das Schöne ist aber, dass selbst des Wendlers Größenwahn gegen Larissas Unterhaltungswert verblasst. Die bühnenreife Comedy-Schilderung des Versuchs von Larissas Vater, durch Schocktherapie ihre Spinnenphobie zu heilen, ließ nicht nur erhellende Einblicke in Familie Marolt mitsamt „Hausbursche Engelbert“ zu („bei uns, das ist ein Irrenhaus“, „meine Oma, die seh’n wir nie wieder“). Sie offenbarte auch tiefe Tragik. Denn wo Larissa wohl wirklich „einen Schock davongetragen“ hat, lachten die anderen, bis ihnen die Tränen kamen.

Desweiteren genügt es eigentlich, sich die schönsten Larissa-Zitate noch einmal in Ruhe auf der Zunge zergehen zu lassen:

• „Ich geh’ nach Hollywood. Ich will Actionstar werden, wie die Angelina Jolie. Ich bin Action.“

• „Ich will tiefgründige Sachen. Ich bin tiefgründig. Ich hab’ eine emotionale Intelligenz. Ich könnte Psychologin werden.“

• „Ich bin ein normaler Mensch.“

• „Ich bin nun mal ein sehr organisierter Mensch. Ich habe mich vollkommen unter Kontrolle.“

• „Ich bin ein erwachsener Mensch. Ich überlebe seit fünf Jahren in Großstädten. Da lauern die wahren Gefahren.“

• „Ich bin eine Kämpferin, die für das Team alles macht, alles.“

Das meiste sehen wohl zumindest neun Menschen im Camp komplett anders. Ex-„Ruck Zuck“-Moderator Jochen Bendel (der durch ganz vernünftige Äußerungen auffällt) bedauerte, „dass wir nicht auf einer Menschenfresserinsel sind, wo wir sie einfach aussetzen können“.

Mit ihren Anrufen haben die gemeinen Zuschauer nun für eine geniale Dramaturgie gesorgt. Das so selbstsüchtig und narzisstisch wirkende Gör muss nun ausgerechnet mit Schauspieler Glatzeder in die nächste Prüfung. Keine Senderregie hätte eine krassere Konstellation hinkriegen können. Larissa: „Ich hab vor Spinnen Angst und vor Winfried. Das ist der reine Alptraum.“ Das „Teuflische“, so die 21-Jährige, „geht mir auf den Sack.“ Den 68-Jährigen wiederum nervt, dass Larissa alles „verstrullert“. „Mach doch keinen Veitstanz“, herrschte er sie gestern wütend an.

Larissa hat die Messlatte hochgelegt: „Ich habe gute Gene. Ich habe das Herz meiner Großmutter und den Willen meines Vaters. Und damit mache ich alle nieder.“ Na, dann.

Von Mark-Christian von Busse

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