Dub Spencer & Trance Hill im Schlachthof

Geniale Stilmixtur

Kassel. Wenn es der Bandname auch nicht erahnen lässt, das Schweizer Quartett Dub Spencer & Trance Hill ist die intellektuelle Speerspitze der europäischen Dub-Szene. Eine CD-Produktion, bei der man Texte des amerikanischen Schriftstellers William S. Burroughs vertonte, die Zusammenarbeit mit dem Experimentalvokalisten Bruno Amstad, der Jazz-Background der Musiker, die intelligente Bandphilosophie – alles Komponenten, die nicht typisch sind für ein Genre, das die ultimative Verschmelzung von Bassfrequenzen und analoger Partyidylle perfektioniert hat.

Dass einem bei ihrem sehr gut besuchten Konzert im Kulturzentrum Schlachthof nicht die Zahnplomben explodierten, lag an der Gnade des genialen Soundmischers Umberto Echo, der den Kesseldruck der Subbässe immer kurz vor dem roten Bereich abfederte. Wohin man auch sah, es war der Abend der Regler: Auf der Bühne, am Mischpult, an den Instrumenten wurde geschraubt, bis der perfekte Klang die teils massiv entschleunigten Reggae- und Dancehallbeats in Schwingung versetzten.

Die raffiniert konzipierten Arrangements mit Bon-Jovi-Riffs und Scatgesang (Gastsänger Bruno Amstad), vertrackten Takteinheiten und illustren Akkordfolgen kamen so versteckt daher, dass sowohl der Bewegungsdrang als auch der Hörspaß beim Publikum bestens bedient wurden. Suggestive Doubletime-Effekte mittels Hall und Echo, groovige Housetracks und ein paar lockere Sprüche komplettierten ein Spektakel, bei dem nur das Fehlen einer adäquaten Lichtshow den Vollrausch verhinderte. Großer Applaus.

Von Andreas Köthe

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