In Düsseldorf gefeiert: die legendäre Band Kraftwerk

Mensch als Maschine: Ein Besucher betrachtet in der Ausstellung „Kraftwerk - Roboter - Fotografie Peter Boettcher“ das Werk „Paris 2002“ von Peter Boettcher. Foto: dpa

Düsseldorf. Die legendäre Musikgruppe Kraftwerk ist seit Freitag in Düsseldorf als Gesamtkunstwerk zu besichtigen. Zeitgleich zur 3-D-Aufführung des musikalischen Werks zeigt das NRW-Forum wenige hundert Meter entfernt die formalistisch strengen Bilder des Kraftwerk-Fotografen Peter Boettcher.

Boettcher steht in der Tradition der berühmten Düsseldorfer Fotokünstler Bernd und Hilla Becher.

Kraftwerk in Paris, Detroit, Turin, New York und in ihrem Kling-Klang-Studio in Düsseldorf: Die Entpersonifizierung und Symbiose von Mensch und Maschine, seit jeher das große Thema der Gruppe, wird in den Bildern und vermeintlichen Porträts der Musiker auf die Spitze getrieben. „Das sind alles Roboter“, verrät Boettcher über seine Motive. Er trägt seit über 20 Jahren den fotografischen Teil zum Gesamtkunstwerk bei.

Das hat System, schickte Kraftwerk-Mastermind Ralf Hütter sogar schon einen programmierten Roboter als Alter Ego zum Interview. Seit Jahrzehnten entzieht sich die Musikgruppe sämtlichen Konventionen der Popmusik, ist hinter ihren Robotern quasi unsichtbar. Auch Konzertbesucher wissen hinterher nicht recht, wem sie eigentlich applaudiert haben - Menschen oder einer Reihe von Androiden?

Schwitzende Fans oder Musiker in den klassischen Posen sind auf den Kraftwerk-Bildern natürlich tabu. Stattdessen wird der musikalische Minimalismus auch visuell zelebriert, die unterkühlte Vision der Zukunft als Maschinenpark in Stahl und Glas. Die Gruppe habe seine formale Sachlichkeit geschätzt, sagt Boettcher.

Nur auf einem Bild, als die Gruppe 2002 in Paris auf die Bühne tritt, könnten die Musiker selbst abgebildet sein. Aber die vier schemenhaften Gestalten sind als unscharf und scherenschnittartig abgebildet. Auch Boettcher bleibt nebulös: „Das ist der Bruchteil einer Sekunde, in der sich Mensch und Maschine zusammenfinden.“

Acht Alben, acht Abende, jeweils mit einer eigenen 3-D-Projektion. Kraftwerk ist spätestens mit dem Auftritt bei der Biennale in Venedig 2005 in der musealen Kunstwelt angekommen. Mit den vier nahezu regungslosen Gestalten vor vier Keyboards schrieb deutsche Popmusik erstmals weltweit Musikgeschichte. Die Düsseldorfer Avantgarde-Klangingenieure gelten inzwischen als Begründer der elektronischen Musik. Ihr minimalistischer Synthesizer-Sound war bahnbrechend und wegbereitend für Musikstile wie Elektro, Synthie-Pop und Techno.

1970 gegründet, entstammt die Formation, von deren Ursprungs-Besetzung nur Hütter übrig geblieben ist, der Düsseldorfer Kunstszene. Das Klangkunst-Spektakel startet mit dem Album „Autobahn“ von 1974 und endet mit „Tour de France“ (2003).

Von Frank Christiansen

Aufführungen: Kunstsammlung NRW, Grabbeplatz 5. Ausstellung: NRW-Forum Ehrenhof 2, Düsseldorf, bis 30. Januar.

www.nrw-forum.de

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