Die Galerie Coucou zeigt bis zum Samstag Arbeiten von Oswaldo Maciá und Markus Stein

Der Duft von zerbrochenem Glas

Natürliche Welt konstruiert: Kuratorin Kathrin Rost vor einer Arbeit von Oswaldo Maciá. Foto: Albrecht

Kassel. In der oberen Etage der Galerie Coucou ist ein kontinuierliches Klirren zu hören. In der Mitte des Raumes hängt ein Glashaus, in dessen Mitte sich ein durchsichtiger Kubus befindet.

„Flying Glashouse“ nennt der kolumbianische Künstler Oswaldo Maciá seine Konstruktion, die den Boden nicht berührt. „Unsere Wahrnehmung ist von unserem Wissen über die Welt vorgeprägt“, erklärt Kuratorin Kathrin Rost. Maciá hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit dem Weltverständnis der Menschen zu spielen, es zu erschüttern und in neue, ungeahnte Formen zu bringen.

So experimentiert Maciá mit den Sinneswahrnehmungen der Besucher. Ein Duft schwebt im Ausstellungsraum, der nach zerbrochenem Glas riechen soll und von einem Institut für Geruchsforschung extra für diese Ausstellung komponiert wurde. „Wissen Sie noch, wie Ihre Großmutter gerochen hat?“, fragt Kathrin Rost. Duft ist etwas Unmittelbares. Der Geruchssinn hatte so die Fähigkeit, mit dem Geruch der Großmutter ein Zuhausegefühl zu transportieren – an welchem Ort auch immer man sich befindet. Über den Geruch und über Geräusche werden Bilder und Gefühle wachgerufen, wodurch es möglich werde, den Verstand zu umgehen.

Der Kasseler Künstler Markus Stein schafft mit seinen Werken im Kontrast zu Maciá eine Verbindung zwischen der realen und der virtuellen Welt. Am Eingang der Ausstellung befindet sich ein Bildschirm, auf dem sich in einer Endlosschleife ein Mann und eine Frau fast ohne Berührung zur Begrüßung rechts und links ein Küsschen geben.

„Hier fällt es nicht schwer, einen Zusammenhang zur documenta zu ziehen“, sagt Kathrin Rost. In der Mitte eines Ausstellungsraumes steht ein Droid, eine Figur aus Computerspielen, die reale Gestalt angenommen hat: Besucher können den Droiden anfassen und ihn herumschieben. Etwas Virtuelles ist plötzlich real geworden.

So scheinen die beiden Künstler mit ihren Werken die zwei Seiten einer Medaille darzustellen: Maciá lässt quasi dienatürliche Welt in ihrer Konstruiertheit erscheinen, während Stein die konstruierte virtuelle Welt von Computerspielen in etwas Realistisches zu verwandeln sucht. Eine sehenswerte und eindrückliche Ausstellung.

Bis 23. Juni in der Galerie Coucou, Werner-Hilpert-Straße 8. Geöffnet mittwochs bis samstags von 18 bis 22 Uhr. www.coucou-coucou.com

Von Yvonne Albrecht

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