Dunkle Bilder: Kasseler Tänzer zeigen choreografische Arbeiten

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Drastisch und verstörend: Annamari Keskinen in ihrer Choreografie „Pet“.. Foto: Klinger

Kassel. „Wenn irgendetwas ist, Du weißt, dass Papa und ich Dir immer helfen.“ So liebevoll die Mutterstimme auf dem Anrufbeantworter klingt, so drastisch sind die darauf folgenden Aktionen der Tänzer.

Annamari Keskinen, geradezu eine Ikone an existenziell aufgeladener Energie, dreht sich mit verbundenen Augen in eine Hundeleine ein. Ákos Dózsa verzehrt rohes Hackfleisch. „Pet“ - Schoßkind, Haustier - hieß dieses virtuos getanzte, unheimliche Stück zu harten Beats und dem verfremdeten Kuschelpop von Simon & Garfunkel.

Vom Freitag bis zum Sonntag zeigten Mitglieder des Kasseler Tanztheaterensembles bei der Choreografischen Werkstatt im tif ihre eigenen Arbeiten. Eine dunkel getönte Ästhetik eröffnete einen Assoziationsraum zu Themen wie Identitätsfindung, Familie und Erinnerungen.

„Pet“, choreografiert von Keskinen, setzte den Schluss- und Höhepunkt der sechs Beiträge, die allesamt Spannendes zeigten und die Charaktervielfalt des Ensembles deutlich machten. Eine hoheitsvolle Extravaganz hatte Breanna O’Mara in einem Experimentalfilm von Shannon Gillen und in einer eigenen Choreografie.

„A task in scaring myself“ war ihr Thema, und O’Mara löste die Aufgabe, sich selbst zu erschrecken, mit schizophrener Bravour, tanzend, sprechend, singend. Fortgeschrittene Englischkenntnisse wurden aber vorausgesetzt – besonders bei Gillens Film.

Poetischer ging es zu in Katerina Toumpas „Persönliche Ecken, die jemand anderem gewidmet sind“ mit René Alejandro Huari Mateus, der seinerseits das rockige Stück von Laja Field und Martin Durov choreografiert hat. Ein 130-Minuten-Abend, fordernd, aber von junger Urbanität: Das Publikum im fast vollen tif sparte am Samstag nicht mit Beifall.

Von Georg Pepl

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