Das Trio opus 8 eröffnete das Musikfest Kassel mit einem Konzertabend von ungewöhnlicher Intensität

Die dunkle Seite der Romantik

Das Trio opus 8 mit (von links) Eckhard Fischer, Michael Hauber und Mario De Secondi. Foto: Malmus

Kassel. Die Romantik war gar nicht romantisch, zumindest nicht so, wie heute dieses Wort verstanden wird. Jedenfalls kommen keine wohlig-träumerischen Gefühle auf bei Robert Schumanns Klaviertrio in g-Moll op. 110.

Mit diesem Stück eröffnete das Trio opus 8 am Dienstagabend in der documenta-Halle das vom Konzertverein veranstaltete Musikfest Kassel, das diesmal Robert Schumann aus Anlass seines 200. Geburtstags gewidmet ist. Mit dem späten g-Moll-Trio lässt uns Schumann in abgründige, zerrissene Seelenlandschaften blicken, und erst zum Schluss des viersätzigen Werks gewinnen zuversichtliche Gedanken die Oberhand.

Die Eindringlichkeit, mit der Geiger Eckhard Fischer das schwermütige Anfangsthema intonierte und an den Cellisten Mario De Secondi weiterreichte, packte die 180 Zuhörer in der voll besetzten documenta-Halle von Beginn an. In der Tat war die Intensität außergewöhnlich, mit der das Trio opus 8 sich und das Publikum forderte. Dieser Eindruck verstärkte sich noch durch die spezielle Akustik der documenta-Halle, die den drei Instrumentalisten eine geradezu orchestrale Fülle verlieh.

Beklemmend, wie in der Durchführung des ersten Satzes jähe Akzente gegen Pizzikati gesetzt sind: eine seelische Tiefenbohrung des gefährdeten Genies Schumann, die das Trio opus 8 mit äußerster Konsequenz vorantrieb.

Dagegen mutet Frédéric Chopin mit seinem g-Moll-Trio den Hörern wesentlich weniger zu. Das Werk basiert auf einem virtuosen Klavierpart, den der Pianist Michael Hauber souverän meisterte. Das brillante und im Scherzo auch sehr witzige Stück lässt erahnen, warum dem eleganten Chopin Schumanns Musik fremd blieb.

Einen starken Schlusspunkt setzte das Trio opus 8 mit jenem Werk, nach dem es sich benannt hat: dem Trio H-Dur op. 8 von Johannes Brahms. Diesmal in der Frühfassung, die im ersten Satz noch ein reizvolles Fugato enthält, das Brahms später eliminierte. Herrliche Streicherfarben, intensive Deklamation, und - im Scherzo - auch spielerischer Humor prägten das Spiel des Trios opus 8, das sich für den heftigen Applaus mit der Romanze aus den Fantasiestücken op. 88 von Robert Schumann bedankte.

Musikfest heute, 20 Uhr, documenta-Halle: Das dänische Trio con Brio und die Violonistin Tatjana Masurenko spielen Mozart, Ravel und Schumann.

Von Werner Fritsch

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