Kammermusik-Konzert zum Stadtjubiläum in der Erlöserkirche Harleshausen

Dunkles Moll tut wohl

Kassel. Bereichernde Musik erlebte das Publikum beim Chor- und Orchesterkonzert „Kassel 1100“ in der Erlöserkirche Harleshausen. Originell war das Programm außerdem. Zum Jubiläum erwartet man strahlendes Dur, doch hier gab’s die Neigung zum dunklen g-Moll.

Eine geballte Moll-Ladung kam über die Zuhörer in der Sinfonie op. 6/6 von Johann Christian Bach (1735-1782). Der jüngste Bach-Sohn schlägt darin einen exaltierten Ton an, der um 1770 gleichsam der letzte Schrei war - Sturm und Drang wie zeitgleiche Erscheinungen in der Literatur, etwa Goethes „Werther“.

Seelengemälde

Dieser wilden Attitüde wurden das Harleshäuser Kammerorchester und sein Leiter Matthias Enkemeier bestens gerecht. Ein affektgeladenes Seelengemälde mit schroffen Akzenten, herbem Hörnerklang und drohenden Trillern.

Moderater und festlicher hatte der Abend begonnen, denn da erklangen romantische A-cappella-Psalmen von Mendelssohn, Friedrich Kiel und Bernhard Klein. Ruhig von Daniela Weltecke dirigiert, beherzt von der Harleshäuser Kantorei gesungen.

Geniales von Mendelssohn sorgte unter Welteckes Leitung fürs große Finale. Bei der Vertonung des 95. Psalms „Kommt, lasst uns anbeten“ gesellten sich zum Chor und zum Orchester die überzeugenden Sopranistinnen Barbara Kupfer-Baumert und Larissa Niederquell sowie der textverständliche und die nötige Offensivkraft mitbringende Tenor Thomas Schwill, der im letzten Satz (g-Moll!) eindringlich vor Verstockung der Herzen warnte. Viel Beifall gab es dafür in der gut gefüllten Kirche.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.