Durstis freche Weihnachten: Künstler mit neuem Album

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Weihnachten mit viel Spaß: (von links) Emelie Wege (die Nichte von Christian Durstewitz ist auf dem Album auch zu hören), Raffaella Covelli, Bastian Tihanyi, Christian Durstewitz und Maximilian Rode-Hellenbrecht.

Christian Durstewitz hat mit „Nostalgie" ein fröhliches, ungewöhnliches und besinnliches Album veröffentlicht.

In der Zeit des poppigen Weihnachtsmusikeinerleis kommt einer mit einem Album daher, das die Hörer vor allem eines: überrascht. „Nostalgie“ von Christian Durstewitz ist weder sehr getragen noch schwermütig. Er gibt darauf auch keine Weihnachtsklassiker. Stattdessen ist Durstewitz frech, etwas unverschämt. Aber, und das ist ihm wichtig: „Ich stoße niemanden vor den Kopf“, sagt der 27-Jährige, der aus Fritzlar stammt und jetzt in Simtshausen (Marburg) lebt.

Besser kennt man ihn unter dem Spitznamen Dursti. Vor sechs Jahren nahm er an Stefan Raabs Castingshow „Unser Star für Oslo“ teil, wurde Dritter, unter anderem hinter der späteren Siegerin Lena Meyer-Landrut. Schon damals fiel er auf, weil er Songs selbst schrieb. Auch diesmal stammen alle Texte der 13 Lieder von ihm. Mehr noch, er hat sie auch komponiert und produziert. „Zusammen mit Freunden und der Familie“, sagt er. Das zu betonen, ist ihm wichtig. Müsste er aber nicht, denn auf dem Album sind nicht nur seine Partnerin, zwei Cousinen, seine kleine Nichte Emelie und (ganz klassisch) sein Vater, Opernsänger Claus Durstewitz, zu hören. Und er bedankt sich zu Beginn bei den Leuten, die ihn unterstützt haben. Auch das überrascht.

Im Song „Dezember“ geht es um die Sehnsucht nach der Familie, auch wenn nicht immer alles reibungslos verläuft. Christian Durstewitz beschreibt Weihnachten, wie es (wenn man ehrlich ist) in vielen Familien abläuft: nicht immer friedlich, aber doch versöhnlich. Er schwelgt in Erinnerungen, ohne kitschig zu sein. Er findet deutliche Worte. Dreimal fällt das Wort Scheiße, er singt vom Finanzamt, davon pleite und besoffen zu sein. „Ich wollte mir treu bleiben und habe meinen Wortschatz nicht angepasst“, sagt Durstewitz.

Lässig ist das Stück über „Herrn Richter“, der mit seinen drei Millionen Lichtern am Haus den Weihnachtsabend bunt blinkten lässt. Durstewitz singt den Song mit Raffaella Covelli. Das ist rockig, eingängig, macht Spaß. Die Balladen, der titelgebende Song „Nostalgie“ und „Nur ein Wort“ (mit Tabea Baumann), beschreiben die wohlige Vorfreude des Nachhausekommens. An den Ort, wo die Zeit stehen geblieben ist, wo Menschen sind, die man liebt. Das berührt.

„Das Schönste am Advent ist der Wein. Wie lecker kann Weihnachten sein“, heißt es im jazzigen „Der Wein“. „Das singe ich gerne bei meinen Weihnachtsmarkt-Auftritten“, sagt Durstewitz und lacht. Und es kommt nicht nur dort gut an. Mittendrin gibt es mit „Nach Hause“ einen Mitschnitt von einem Liveauftritt. Auch das überrascht - erst mal. Doch es passt zu diesem ungewöhnlichen Weihnachtsalbum. Perfekt soll das nämlich gar nicht sein - ist es auch nicht. Doch das macht es so fröhlich, so ehrlich, so stimmungsvoll - so anders. „O Tannenbaum“ hätte er niemals auf sein Album gepackt, sagt Durstewitz. Davon gebe es schon über 500 Versionen. Er wollte überraschen. Das ist ihm gelungen.

Christian Durstewitz: Nostalgie (Durstewitz)

Wertung: vier von fünf Sternen

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