Der Dylan von Berlin: Der 22-jährige Songwriter Max Prosa

Noch ein junger Mann mit Gitarre - aber was für einer: Der Berliner Musiker Max Prosa alias Max Podeschwig. Foto: Sieland /nh

Max Prosa ist sich sicher, dass es besser war, vor vier Jahren abgelehnt worden zu sein an der Mannheimer Popakademie. Der Berliner wollte unbedingt an die Schule, die Künstler wie Get Well Soon hervorgebracht hat, aber es klappte nicht.

Stattdessen tingelte Prosa über die offenen Bühnen seiner Heimatstadt. Heute ist er 22 und sagt: „Ich bin froh, wie es gekommen ist: Berlin war die viel härtere Schule.“ Hier könnte er bald Klassenbester sein. Sein gerade erschienenes Debütalbum „Die Phantasie wird siegen“ mit orchestral instrumentiertem Singer/Songwriter-Folk haut einen schlichtweg um.

Da singt ein junger Mann zu Glockenspiel, Klavier und Streichern mit rauer Stimme von Flügeln aus Beton, von der Liebe und „Visionen von Marie“, wie der größte von vielen großen Songs heißt. Kritiker loben die Lieder, „die einfach sind, ohne simpel zu sein“. Selbst der Boulevard hat ihn schon in sein Herz geschlossen. Die „Bild“ nannte den Wuschelkopf mit der Gitarre und Mundharmonika „den jungen Bob Dylan von Berlin“.

Max Prosa, der eigentlich Max Podeschwig heißt und aus einem konservativen Charlottenburger Elternhaus kommt, kann darüber nur lachen. Dylan ist neben David Bowie und Rio Reiser eines seiner Vorbilder, aber er weiß, dass diese Vergleiche nichts mit der Musik zu tun haben. Andererseits kann es auch nicht schlecht sein, solch ein Etikett verpasst zu bekommen. Man verliert ja langsam den Überblick in der deutschsprachigen Liedermacherszene.

Neben den Überfliegern Clueso, Tim Bendzko und Philipp Poisel gibt es noch unzählige andere junge Männer mit Gitarre, die auf Deutsch über das Leben singen. Prosa, den man allein schon wegen des genialen Künstlernamens lieben muss, hält das für ein „Zeitgeist-Phänomen“.

Ausgerechnet das hat ihn im August vorigen Jahres ausgebremst. Eigentlich sollte „Die Phantasie wird siegen“ schon seinerzeit erscheinen, aber die Plattenfirma hatte Angst, dass ihr neuer Schützling untergehen würde angesichts der großen Konkurrenz.

Mittlerweile hat der vom Erfurter Sänger Clueso geförderte Prosa selbst seine Eltern überzeugt, die die Musikkarriere zunächst für keine gute Idee hielten. Ihnen zuliebe studierte Prosa, der sein Abitur schon mit 17 machte, erst Physik und Philosophie und brach beides dann doch ab.

Er wohnt jetzt an der Grenze zwischen Neukölln und Kreuzberg. Wenn man ihn fragt, ob er eine Freundin habe, antwortet er zwar nicht wie Dylan, aber ein bisschen wie Rainer Langhans aus der Kommune 1: Er sehe das mit festen Beziehungen nicht so eng.

Max Prosa: Die Phantasie wird siegen (Columbia/Sony). Wertung: fünf von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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