Neues vom Stammtisch-Philosophen: Gerd Dudenhöffer beim „Sommer im Park“ in Vellmar

Die Dynamik eines tiefen Stoßseufzers

Gerd Dudenhöffer Foto:  Malmus

Vellmar. Es gibt Kabarettisten, die ballern ihre verbalen Salven wie mit einem Schnellfeuergewehr ab. Für Gerd Dudenhöffer gilt ein anderes Zeitmaß: Langsam schlurft er auf die Bühne, setzt sich gemächlich auf einen Stuhl, lässt den Kopf fast auf die Brust sinken, holt Luft - und atmet tief aus: „Sssoo!“

Auch die Lebensbetrachtungen, die Heinz Becker, Dudenhöffers Alter Ego, zum Besten gibt, haben etwas von der Dynamik eines tiefen Stoßseufzers. Nicht verwunderlich, denn der Mann mit der Kappe durchschaut alles, weiß alles und kann alles mit Scharfblick begründen. Denkt er. Der kleine aber grobe Unterschied: Die Reflexionen des Stammtisch-Philosophen Heinz Becker folgen einer sehr eigenen Logik.

Gut gefüllt war am Dienstagabend das Zelt beim „Sommer im Park“ in Vellmar (Kreis Kassel), um den Nörgel-Poeten zu erleben. Das Fazit: Auch mit dem Programm „Sackgasse“ versteht es der 61-Jährige, die Lachmuskeln der Zuhörer in Bewegung zu halten. Dem Programm fehlen zwar die bitterbösen Seiten, doch auch ohne die punktet der Zyniker der Marke Dummschwätzereien mit Tiefsinn reichlich.

Viel gelacht wurde über seine aberwitzigen Vergleiche. Als er über Blähungen redet, fällt ihm „Windjammer“ ein, beim „Willi“, Kassenwart bei den Kaninchenzüchtern, dass „do seit 20 Johr nix vorgefolle is, außer sei Bandscheib“.

Darauf lässt er erst mal wieder den Kopf sinken, sinniert in sich hinein und ist sofort beim nächsten Thema. Überleitung: „Ich hob do jemand getroffe. Während der Unterholdung sind wir ins Gespräch komme.“ Auch zur Sterbekultur hat er seine Meinung: „Der Unterschied zwischen Orient und ich sach mo Morgenland is, dass nache Tod 70 Jungfrauen auf dich warte don.“ Für Heinz Becker ein Bild des Grauens: „Wenn ich mir vorstelle do warte 70 Hildes, da häng ich mich doch lieber gleich auf.“

Und sein persönlicher Rat? „Wenn dir jemand domm kimmt, lass ihn domm gehe.“ Viel Applaus und zwei Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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