Wie im echten Leben: Die Lust am Streiten

Wie im richtigen Leben: Friedolin Müller und Wiebke Eymess sind „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“. Foto: Malmus

Kassel. Was sich liebt, das neckt sich, sagt der Volksmund. So gesehen müssen sich Wiebke Eymess und Friedolin Müller sehr lieben.

Zumindest auf der Bühne. Angesichts der zahllosen Bosheiten, Sticheleien und Beleidigungen, die sich hinzugesellen, wenn sie als junges, streitbares Pärchen über alles und nichts diskutieren und auch gern das Publikum ein bisschen provozieren.

„Mitternacht-Spaghetti“ heißt das Programm der Hannoveraner. Am Donnerstagabend amüsierte das Duo „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ im bestens gefüllten Theaterstübchen. Die Themen? Gab es Themen? Im Grunde nicht, aber, wie im richtigen Leben, ausreichend Anlässe zu streiten. „Lass uns auf eine Party gehen“, findet er. Sie: „Wieso, ich geh doch auch nicht mit einer Bohrmaschine zu Obi.“ Er schlägt ein Rollenspiel vor: „Du stellst dir vor, ich sei ein anderer.“ Sie: „Das stell ich mir ständig vor.“

So munter, frech und natürlich wie die beiden ihre Sticheleien von der Bühne hobelten, konnte man meinen, ein Stück Realität mitzuerleben. Gelacht wurde viel. Ob aus Gründen des Wiedererkennungswertes oder weil die Beziehungskrieger eine hinreißend sympathische Ausstrahlung haben, sei dahingestellt. Die Konstellation – er der sensible Kopfmensch, sie Biest, Zicke und Launenmarie – sorgte für Vergnügen. Das galt auch für die Liebeslieder, die sie sich mal solo, mal als Duett um die Ohren hauten: „Was für einen Jäger das Ende der Schonzeit, was für den Bandwurm der Dünndarm, bist du für mich.“

Klingt alles nach bester Unterhaltung. War es – mit kleinen Abstrichen. Ein Imagewechsel hätte diesem Pärchen gutgetan. Da vor allem gekalauert wurde, begann sich der Spaßfaktor in der zweiten Hälfte ein wenig abzunutzen. Unter dem Strich aber gute Unterhaltung, viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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