Neu im Kino: In der Tragikomödie „Heiter bis wolkig“ brilliert Jessica Schwarz

Edda ist eine Naturgewalt

Sie durchschaut Tims Trick sofort: Die erkrankte Edda (Jessica Schwarz, mit Max Riemelt) bindet den Verehrer ihrer Schwester in ihre Rachefeldzug ein - und genießt diesen sichtlich. Foto: Constantin

Ein nichtssagender Titel. Ein Plakat, das nach fröhlicher Liebeskomödie aussieht. Ein Trailer, in dem Max Riemelt und Elyas M’Barek einen schlechten Anmachspruch nach dem anderen kredenzen. Man könnte dem Studio Constantin im Fall von „Heiter bis wolkig“ mutwillige Täuschung vorwerfen.

Durchkommen würde man damit nicht: Denn der Film von Marco Petry („Schule“) handelt zwar über weite Strecken Abschleppstrategien ab und changiert zwischen romantischer Komödie und Geschichte des Erwachsenwerdens. Doch kratzt man all diesen Zuckerguss ab, zeigt „Heiter bis wolkig“ vor allem den letzten Akt im Leben einer krebskranken jungen Frau - und Jessica Schwarz in einer ihrer forderndsten Rollen.

Zunächst lernt man Tim (Riemelt) und Can (M’Barek) kennen, die sich eine besondere Flirtmasche ausgedacht haben: Der eine quatscht eine hübsche Frau an und erzählt ihr vom tragischen Schicksal des anderen. Krebs habe der, nicht mehr lange zu leben und nur noch einen Wunsch: Sex. Warum zwei blendend aussehende junge Männer, die berufsbedingt noch prima kochen können, so eine zweifelhafte Taktik nötig haben? Man weiß es nicht.

Bei den ahnungslosen Frauen jedenfalls funktionierte die Tour - bis Tim sich ins Bett der schönen Marie (Anna Fischer) schleichen will. Deren Schwester Edda (Jessica Schwarz) leidet an unheilbarem Lymphdrüsenkrebs.

Welchen Verlauf eine Beziehung nimmt, die auf einer Lüge fußt, lässt sich nach unzähligen Hollywood- und Sat.1-Filmen mit ähnlichem Grundgerüst leicht erraten. Die Schwachstelle wird am Ende jedoch so irrelevant erscheinen wie die anfängliche Aneinanderreihung von Albernheiten. Mit Edda erlebt der Film einen merklichen und willkommenen Bruch und einen neuen Fixpunkt. Eine Figur so mitreißend wie eine Naturgewalt.

Edda ist ein Ausbund an Zynismus und Galgenhumor, brüsk und verletzlich, tough und verängstigt. Und sie bindet den Verehrer der Schwester in ihren eigenen, höchst unterhaltsamen Rachefeldzug gegen ihre ehemalige Chefin und ihren Ex-Verlobten ein. Der Humor wird feinsinniger, der Ton ernster, ohne je in Schwermut überzugehen. (tx)

Genre: Tragikomödie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Annekatrin Liebisch

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