Edelsüße Abenteuer: Quadro Nuevo im Kulturzelt

Zweimal mit dem „Echo Jazz“ als bester Live Act ausgezeichnet: Andreas Hinterseher (von links, Vibrandoneon), D.D. Lowka (Kontrabass) und Evelyn Huber (Harfe). Foto: Fischer

Kassel. „Wir spielen nicht die Schote, wir spielen immer nur das Edelsüß-Pulver.“ Auf einen solchen Satz muss man erst mal kommen. Zu hören war er am Samstag beim famosen Weltmusik-Quartett Quadro Nuevo im voll besetzen Kulturzelt. Saxofonist und Klarinettist Mulo Francel kündigte damit ein in Ungarn entstandenes Stück an. Dessen Titel: „Paprika“.

Edelsüß ist überhaupt ein schönes Wort, um Quadro Nuevo zu beschreiben. Die vier Multiinstrumentalisten servieren eine würzige, aber nicht höllisch scharfe Kammermusik. Sie begeistern auf feine Art mit einer aus vielen Quellen gespeisten Tonpoesie.

Bereits zweimal wurde die weltläufige bayerische Gruppe mit dem „Echo Jazz“ als bester Live Act ausgezeichnet. Zu ihren Qualitäten gehört das perfekte demokratische Zusammenspiel. Jeder glänzt, keiner ist der einzige Star.

Butterweiche Klarinettentöne und Saxofon-Eleganz gibt es von Mulo Francel, einmal wechselt er auch zur Mandoline. Andreas Hinterseher spielt Akkordeon, Bandoneon und ein Instrument namens Vibrandoneon: eine Melodika aus Nussbaumholz mit einem gebogenen Mundstück für die Luftzufuhr.

Sehr zum unverwechselbaren Klang von Quadro Nuevo trägt der rauschende Harfenzauber von Evelyn Huber bei – am Hackbrett ist sie nicht weniger erfolgreich. Und D.D. Lowka zupft und streicht den Kontrabass, groovt gelegentlich an der Percussion und singt gegen Ende des langen Abends eine rasend schnelle Saxofon-Linie unisono mit.

Bei den (mit Pause) 150 Konzertminuten trifft Charles Trenets nostalgisches Chanson „Que reste-t-il de nos amours?“ auf das berührende jüdische Partisanenlied „Still, die Nacht ist voller Sterne“ von Hirsch Glik (1922-1944). Die vom Publikum gefeierten Musiker haben auch Tangos dabei – und eine Improvisation mit dem bezeichnenden Titel „Aventure“. Abenteuer, um jemand anderer zu werden.

Von Georg Pepl

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