Neues Album: Jon Bon Jovi klingt wie immer

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Feiern dieses Jahr das 30-jährige Bestehen ihrer Band: Gitarrist Richie Sambora (von links), Schlagzeuger Tico Torres, Sänger Jon Bon Jovi und Keyboarder David Bryan.

Ob es Menschen gibt, die sich von einem Bon-Jovi-Album eine Überraschung erhoffen? Falls dem so ist, müssen diese Menschen tapfer sein. Denn auch auf ihrem neuen Album „Because We Can“ haben sich Jon Bon Jovi, Richie Sambora, Tico Torres und David Bryant keineswegs neu erfunden.

Ein paar anständige Nummern sind dabei, etwa das mittelschnelle, an Tom Pettys „Into The Great Wide Open“ erinnernde „I’m With You“. Oder das freundlich vor sich hin fiedelnde „What’s Left Of Me“. Dazu kommen unkomplizierte Pophits und Bon-Jovi-Balladen. Inhaltlich geht es oft um Soldaten, Kämpfer und das Bild des ehrlichen Malochers.

Vor dem Interview mit Jon Bon Jovi stimmte die Plattenfirma die Journalisten auf das Gespräch im Stuttgarter Hotel „Le Meridien“ mit klaren Botschaften ein. Bon Jovi lege sehr viel Wert darauf, dass „eine entspannte Gesprächsatmosphäre“ zustande komme. Nur: Gleichzeitig wird eindringlichst davor gewarnt, ihn auf seine vier Kinder, seine Frau, überhaupt sein Privatleben anzusprechen. Denn dann würde er das Gespräch sofort abbrechen. Hintergrund der widersprüchlichen Ansagen ist offensichtlich der unschöne Umstand, dass seine Tochter Stephanie (19) nach dem Gebrauch von Heroin im November kollabiert ist (mittlerweile soll es dem Mädchen aber wieder ganz gut gehen).

Freundlicherweise bekommt man aber auch Themen genannt, über die der 51-Jährige gern sprechen würde: nämlich Sport, Politik und soziales Engagement. „Die Welt der einfachen Menschen, das ist auch unsere Welt“, sagt Bon Jovi, der mit Gattin Dorothea im heimischen New Jersey seit zweieinhalb Jahren das Sozial-Restaurant „Soul Kitchen“ betreibt. Das Konzept: „Jeder muss sich nach seinen Möglichkeiten einsetzen. Wenn du hungrig bist, aber nicht die zehn Dollar für das Dreigängemenü hast, möchten wir, dass du freiwillige Arbeit leistest, Servietten faltest oder Geschirr spülst.“

Ferner hat ihn Barack Obama in das „White House Council for Community Solutions“ berufen, Jon Bon Jovis Aufgabe? „Ich kümmere mich um benachteiligte Kinder und Jugendliche. Etwa um Heimkinder, die von ihren Eltern im Stich gelassen wurden. Es ist so wichtig, dass gerade Teenager eine faire Chance bekommen.“ Eigentlich eine herrliche Steilvorlage, um zu Stephanie Bongiovis Drogendrama überzuleiten, aber so was macht man ja nicht.

Der Songtext zu „The Fighter“ sei als Brief an seine Kinder zu verstehen. „Er könnte auch die Inschrift auf meinem Grabstein sein“, sagt er und wird dann doch privat: „Bei uns gab es, wie jeder mitbekommen hat, zuletzt Turbulenzen. Aber das ist eine Geschichte, an der du zusammen arbeiten kannst, weil das alle hinter sich lassen wollen. Niemand ist perfekt, aber man hat das dann eben gemeinsam durchzustehen.“

Jon Bon Jovi gibt den ewigen Optimisten also nicht nur in seinen Liedern. Er ist wirklich so. „Ich lebe die Werte, von denen unsere Songs handeln. Ich habe seit Jahrzehnten dieselbe Band, ich habe seit Jahrzehnten dieselbe Plattenfirma, und ich habe seit Jahrzehnten dieselbe Ehefrau. Das ist also kein Quatsch, was ich da singe. Mir ist es wichtig, dass ich 51 Jahre alt bin und niemanden wirklich je verarscht habe.“

Bon Jovi: „Because We Can“ (Universal)

Von Steffen Rüth

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