Peter Maffay präsentierte ein opulentes Jubiläumskonzert in der ausverkauften Göttinger Lokhalle

Der ehrliche Rockarbeiter

Mit Orchester: Peter Maffay in der Göttinger Lokhalle. Foto: Strunk

Göttingen. Seit vierzig Jahren steht Peter Maffay auf der Bühne. Das muss gefeiert werden. Auf der aktuellen CD „Tattoos“ recycelt er seine alten Hits und reist mit diesem Songmaterial durch die Republik. Das Konzert in der ausverkauften Göttinger Lokhalle bildete nun den Schlussakkord der unterhaltsam inszenierten Reflektionstournee eines Künstlers, der den Imagewechsel vom zahmen Schlager-Beau zum umtriebigen Rockseelsorger Anfang der Achtziger bestens überstand.

Mentale Stärke

Der dreistündige Auftritt mit Band und dem Volkswagen Symphonieorchester war eine Demonstration der mentalen Stärke, mit der sich Maffay immer zu behaupten wusste. Wenn er bei Coversongs seinen Musikern den Vortritt lässt, klare Aussagen zu politische Themen formuliert, sich höflich beim Publikum entschuldigt, weil er ihm kurz den Rücken zudrehen musste, dann spürt man, das dort ein selbstbewusster Künstler der Seifenblase Entertainment eine große Portion Ehrlichkeit entgegenstellt. Er hat die Rock- und Popmusik nicht neu erfunden. Songs wie „Du“, „Es war Sommer“ oder „Josie“ versprühen den prüden Charme deutscher Aufklärungsfilme, neuere Kompositionen erinnern eher an ein solides Mehrfamilienhaus als an spektakuläre Architektur.

Sozial engagiert

Doch so ist Maffay. Er macht das Beste aus seinen Möglichkeiten, ist dann kreativ, wenn er es zeitlich mit der Organisation seiner sozialen Projekte verbinden kann.

Der deutsche Bruce Springsteen ist bodenständig, direkt und authentisch. Tätowierte Sozialdemokratie mit einer Prise Easy Rider und die Silberkette um den Hals symbolisierten konservativ männliche Erotik, die bei vielen Frauen über dreißig die Augen glänzen ließ. Die Band um die Haudegen Jean-Jaques Kravetz (Keyboards) und Carl Carlton (E-Gitarre) agierte souverän, der Bühnensound wirkte allerdings etwas metallisch verengt. Saftig klingt anders, dazu war die Textverständlichkeit mangelhaft, und auch das Orchester wurde komplett durchkomprimiert.

Die spannende Ausnahme gab es bei „Ewig“. Nur Maffay und die Symphoniker erzeugten dabei den romantischsten Moment des Abends. Mit seinem einmaligem Timbre sorgte er für Tränen der Rührung im Publikum. Die gab es auch bei „Sieben Brücken“ und „So wie Du“, das er mit einer Gastsängerin aus dem Publikum im Duett perfekt intonierte. Dafür gab es reichlich Applaus und einige Zugaben.

Von Andreas Köthe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.