Celloklänge und Lyrik in der Alten Brüderkirche

Gestaltung voller Gegensätze: (v.l.) Dr. Gertrude Betz (Sprache), Susanne Hartig (Violoncello) und Katrin Gaßmann (Kunst). Foto: Malmus

Kassel. Mit warmen Celloklängen, Lyrik und intelligenter Kunst meldete sich die Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“ nach einmonatiger Pause zurück.

Diesmal erfuhren 120 Besucher, was herauskommt, wenn ein brillanter Kopf sein Denken aufzeichnet. Das nämlich ist der Ansatz der Erfurter Künstlerin Katrin Gaßmann.

Ihre Arbeiten sind bildende Kunst wie Literatur. Es gab auf Schrift beruhende Zeichnungen mit mikroskopisch kleinen, zum Ornament verschwimmenden Texten. Auf Gaßmanns Homepage heißt es, es handle sich um das „Zeichnen des eigenen Denkens zum Zeitpunkt des Denkvorgangs unter Vermeidung von Korrekturmaßnahmen“.

Nun kann Spontaneität auch Banales hervorbringen. Da die Künstlerin Texte vortrug, konnte man sich hier vom Gegenteil überzeugen. Erstaunlich, dass diese schlaue, rhythmisch treibende Prosa intuitiv entstanden sein soll. Dem Witz eines Thomas Bernhard nahe kam die Tirade „Als ich einmal Aufsicht in einer Kunstausstellung machte“.

"Ein Werk, das die Klappe hält"

Gaßmann bespöttelte Bedeutungshuberei, das Einschalten von Videos und „peinliche Interaktionen“ mit Zuschauern. Ihre Hoffnung: „Endlich mal ein Werk, das die Klappe hält.“ Das war ein Gedanke, den man kunstfrommen Szenegängern ins Stammbuch schreiben kann.

Für ihre heitere Nestbeschmutzung bekam Gaßmann denn auch Zwischenbeifall. Vollends andere Töne schlugen Dr. Gertrude Betz und die Cellistin Susanne Hartig an. Betz rezitierte Gedichte, etwa von Rose Ausländer - ein eindringlicher, nahezu sakraler Lyrikton. Hartig stellte expressive Musiken von György Kurtág und Paul Hindemith vor und bot mit natürlichem Spielfluss Bachs Cellosuite G-Dur dar. Wie die Musik den Raum erfüllte, war ein Klangerlebnis.

Von Georg Pepl

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