Jeanette Lindström und ihr Quartett mit individuellem Sound im Schlachthof

Eigene Umlaufbahn

Im Reich der Sinne: Jeanette Lindström. Foto: Herzog

Kassel. Dass der ehemalige E.S.T.-Schlagzeuger Magnus Öström die aktuelle CD von Jeanette Lindström produzierte und die Artrock-Legende Robert Wyatt im Duett mit der temperamentvollen Schwedin darauf zu hören ist, lässt die Fans nordeuropäischer Jazz-Klangwelten schon mal aufhorchen. Dass die Songs unter der Überschrift „Attitude & Orbit Control“ den unendlichen Weiten von Raum, Zeit und Gefühl gewidmet sind, sorgt für zusätzliche Spannung. Doch bei ihrem Konzert im Schlachthof brauchte es leider eine längere Startphase, bevor die Triebwerke zündeten.

Lag es am trüben Tageslicht, das sich noch durch die Fenster aufdrängte, oder den nur mäßig besetzten Stuhlreihen? Vielleicht auch an den etwas zu kuscheligen Kompositionen, die von unmotiviert wirkenden Musikern noch nicht optimal synchronisiert präsentiert wurden.

Doch nach der Pause gelang der Ausflug in das kosmische Reich der Sinne aufs Vortrefflichste. Da manövrierte Lindström ihr Quartett mittels vielfältiger Stimmvariationen auf eine Umlaufbahn, deren Koordinaten sich aus Drum ’n’ Bass und Modern Jazz errechneten. Mal überließen sie sich ganz der klanglichen Schwerelosigkeit, dann brachte man sich mit solistischer Energie in eine neue Position.

Mit Sounds und Rhythmus modellierte die Band jetzt stetig an den Konturen einer Idee, die sich abseits traditioneller Strukturen mit übersetzter Wahrnehmung beschäftigt. Dabei wurde klar, dass an diesem Abend das spontane Miteinander das statische Arrangementspiel an Intensität weit übertraf. Fazit: Eine interessant dosierte Mischung aus Coldplay, Nils Petter Molvaer und Urszula Dudziak, die zu begeistern wusste.

Von Andreas Köthe

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