Alexey Lebedev beschloss das Niestetaler Klavierfestival mit Bach und Gubaidulina

Den eigenen Weg gehen

Sinn für Kontraste: Der junge Pianist Alexey Lebedev vor seinem Auftritt in Sandershausen. Foto:  Schoelzchen

NIESTETAL. Heute wird Sofia Gubaidulina weltweit geschätzt, doch in der Sowjetunion war die Musik der 1931 geborenen Komponistin bei dogmatischen Kulturfunktionären nicht wohlgelitten. Unterstützung gab es dafür von berufener Seite, denn kein Geringerer als Dmitri Schostakowitsch ermunterte die junge Künstlerin mit dem hintersinnigen Satz, sie solle ihren eigenen, „falschen“ Weg weitergehen.

Ein frühes Meisterwerk Gubaidulinas bildete nun den Höhepunkt beim Abschlusskonzert des Niestetaler Klavierfestivals. Alexey Lebedev präsentierte dort die Chaconne aus dem Jahr 1962. Das Stück war im Auftrag für Marina Mdivani entstanden, eine Schülerin des großen Emil Gilels. Dementsprechend virtuos ist der Klaviersatz.

Der 31-jährige Alexey Lebedev brachte alles mit, was man dafür braucht: Kraft für klar fokussierte Akkorde, den Sinn für Kontraste und eine erbarmungslose treibende Motorik. Zu hören war mithin ein russischer Pianist, der sich in der Virtuosentradition seiner Heimat besonders wohlzufühlen scheint.

Für Lebedev spricht auch, dass er die nicht von allen Musikern und Zuhörern geliebte Moderne in seine Programme aufnimmt. Vor Gubaidulina war ein anderer Großmeister an der Reihe: der Ungar György Kurtág (Jahrgang 1926). Lebedev stellte zwei Sonaten des Barockkomponisten Domenico Scarlatti neben aphoristisch verdichtete Kurtág-Stücke. Ein aufregender Kontrast.

Virtuosität im Vordergrund

Bei aller Bewunderung für Lebedevs technische Ressourcen beschlich einen doch das Gefühl einer sehr auf Virtuosität angelegten Stückauswahl. Der Pianist begann mit Bachs „Chromatischer Fantasie und Fuge“ (in der Fassung von Ferruccio Busoni), ließ ein Busoni-Werk folgen und Schumanns kaum bekannte Variationen über das Thema des zweiten Satzes aus Beethovens 7. Sinfonie.

Nach Scarlatti, Kurtág und Gubaidulina gab es noch die Fantasia Baetica von Manuel de Falla, auch dies nicht eben eine Kleinigkeit.

Gern hätte man zwischen all dem erfahren, wie Lebedev eine einfache, weiche Melodie spielt. Den gebührenden Beifall bekam er freilich im rappelvoll besetzten evangelischen Gemeindehaus - einige lauschten den Klängen sogar im Freien. Mit der Zugabe einer Chopin-Mazurka ging es in die kleine Sommerpause.

Ab dem 7. August wird die von Friedrich Luncke organisierte Sandershäuser Konzertreihe ihren erfolgreichen Weg fortsetzen.

Von Georg Pepl

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