Eigentlich nicht lustig: Satiriker Max Uthoff erklärt in Kassel den Weltwahnsinn

Hervorragender Redner: Max Uthoff. Foto: Fischer

Kassel. Max Uthoff ist ausgebildeter Jurist und als solcher ein hervorragender Redner. Er erreicht sein Publikum und gegen Ende seines Programms „Gegendarstellung" hat er es so gepackt, dass es lange ganz still bleibt am Freitag im ausverkauften Saal des Anthroposophischen Zentrums.

So etwas wie Betroffenheit macht sich breit. Nach einem eineinhalbstündigen satirischen und äußerst erhellenden Crashkurs in politischer Ökonomie kommt Uthoff zuletzt auf die zumeist nicht selbst verschuldete Armut der Hartz-4-Empfänger zu sprechen: Dass in einem der reichsten Länder der Welt Hunderttausende auf die Nahrung von Tafeln angewiesen sind, dass ihnen selbst die sozialdemokratische Arbeitsministerin Andrea Nahles mit unverhohlener Verachtung begegnet, indem sie die entwürdigenden Bedingungen, unter denen so viele leben müssen, durch Mittelkürzungen und strengere Auflagen sogar noch verschärfen will.

Für den seiner Meinung nach schleimigen neoliberalen Kurs der Grünen hat Uthoff nur Verachtung übrig („Winfried Kretschmann ist so schwarz, dass er selbst im Kohlenkeller Schatten wirft“) und er prangert das wirtschaftspolitische Programm der AfD an, wogegen das der FDP, wie das einer marxistischen Splittergruppe wirke.

Was Uthoff, bekannt aus der Satire-Sendung „Die Anstalt“, sagt, ist eigentlich gar nicht komisch. Sein großes Thema ist der Wahnsinn der Weltwirtschaft, der entfesselte Markt, das globale Massenelend, das der Kapitalismus hervorrufe. Er spricht über den Kapitalismus als Religionsersatz, die Schamlosigkeit und Verlogenheit von Politikern, die Gier von Managern und die Einfalt der Konsumenten. Dass die Flüchtlingsströme nur ein Aspekt von all dem sind, versteht sich von selbst.

Wie hält das ein Berufssatiriker wie Uthoff bloß aus? Der müsste doch jeden Tag, wenn er Nachrichten hört, die Zeitungen liest oder Fernsehen guckt, unzählige Male laut „Scheiße!“ schreien und sich das spärliche Haupthaar raufen. Er hat ein Rezept, das er am Ende verrät. Damit hebt er die getrübte Stimmung des Publikums wieder etwas: „Wechseln Sie die Perspektive!“

Wenn sich eine Oma beim Schlachter dreist vordrängelt, weil sie angeblich keine Zeit hat, sage man sich: „Stimmt ja, wer so alt ist, hat wirklich keine Zeit mehr!“ Und selbst wenn wir alle 60 Millionen Flüchtlinge aufnähmen, hätten wir in Deutschland noch nicht die Bevölkerungsdichte Hollands. Wie hieß es im Monty-Python-Song treffend: „Always Look On The Bright Side Of Life! - Schau immer auf die Sonnenseite des Lebens“. So geht man doch heiter - und klüger nach Hause.

Von Andreas Gebhardt

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