"Ein großes Werk": Autor Jürgen Becker erhält den Büchner-Preis

Darmstadt. Der Schriftsteller Jürgen Becker hat den renommierten Georg-Büchner-Preis erhalten. Der 82-jährige Autor bekam die mit 50.000 Euro versehene Auszeichnung am Samstag im Staatstheater Darmstadt verliehen.

„Seine Gedichte lehren uns eindringlich, unsere Welt und unsere Sprache aufmerksamer wahrzunehmen“, hieß es in der Begründung der Jury. Sein Werk habe die deutschsprachige Dichtung über Generationen entscheidend geprägt.

Becker, der in Odenthal bei Köln wohnt, wurde als Lyriker, Hörspiel- und Prosaautor bereits vielfach ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung in Darmstadt sagte Becker: „Ich danke der Jury für ihre Würdigung dessen, was bislang entstanden ist. Ich begreife sie als Aufforderung, nicht stehen zu bleiben.“

Sein Alter halte ihn nicht davon ab, immer wieder neu zu beginnen, sagte der Preisträger. Er wisse nicht, ob er die „entscheidenden Sätze“ überhaupt schon geschrieben habe. Seine Werke entstammten Gesprächen mit sich selbst über eigene Erfahrungen und Wahrnehmungen. Im Leser könnten sie sich fortführen.

Zur Person:

Jürgen Becker (82) wurde in Köln geboren. Nach einem abgebrochenen Germanistikstudium arbeitete er als Lektor. Danach leitete er 20 Jahre lang die Hörspielredaktion des Deutschlandfunks. Sein erster Prosaband „Felder“ (1964) machte ihn bekannt. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen: Prosa, Gedichte und Hörspiele. Becker ist mit der Künstlerin Rango Bohne verheiratet. Ihr Sohn Boris Becker ist Fotograf. Das Paar lebt in der Nähe von Köln.

Der Schriftsteller Lutz Seiler würdigte in seiner Laudatio Beckers eigene Technik des Erzählens entwickelt. Seine Gedichte seien „durchlässig, beiläufig im Tonfall, zwanglos im Fortgang“. Den Mauerfall 1989 habe Becker bereits ein Jahr zuvor in seinem „Gedicht von einer wiedervereinigen Landschaft“ vorweggenommen, sagte Seiler. Aus dessen Mitte „leuchtet ein kleiner vollständiger Satz“ entgegen: „Die Grenzen sind alle falsch.“ Beckers Schreibweise zeige anhand von Erinnerungen, wie wir selbst in der Geschichte stehen, bevor sie in die späteren, reflektierten Formen gegossen ist. „Ein großer Preis für ein großes Werk. Meine und unsere Freude darüber ist ganz ohne Grenzen.“

Zu Beckers Werken gehören unter anderem „Das Ende der Landschaftsmalerei“ (1974) und „Foxtrott im Erfurter Stadion“ (1993). Zuletzt erschien 2012 „Scheunen im Gelände“, Gedichte mit Collagen von Rango Bohne, seiner Frau.

Zusammen mit dem Büchner-Preis verlieh die Akademie zwei weitere Auszeichnungen. Der mit 20.000 Euro dotierte Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ging an den Historiker Jürgen Osterhammel (62). Seine Werke „betreiben historische Aufklärung im schönsten Sinne des Wortes“, erklärte die Jury. Die Publizistin Carolin Emcke (47) erhielt den ebenfalls mit 20.000 Euro verbundenen Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay für ihre Werke zu Gewalt und Ausgrenzung in aller Welt. (dpa)

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