Die Kluftinger-Krimi-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr unterhielten in Vellmar glänzend

„Ein inneres Bockbierfest“

Sie spielten sich souverän die Bälle zu: Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel. Foto: Malmus

Vellmar. Wer eine Krimi-Lesung besucht, rechnet nicht damit, im Auffrischungstanzkurs und in der Dessous-Abteilung des Kaufhauses zu landen. Genau dorthin jedoch führten Volker Klüpfel und Michael Kobr, die Autoren der megaerfolgreichen Allgäuer Kluftinger-Krimireihe, die 300 Besucher ihres Auftritts am Mittwochabend beim „Sommer im Park“ in Vellmar.

Wobei ihr Programm, im Heimatdialekt des Duos „Bescht of Klufti“, erstens keine konventionelle Lesung war und zweitens sehr wenig mit Kriminalfällen zu tun hatte. Dem Publikum „eine literarische Persönlichkeit von A bis Z“ nahezubringen, lautete das Versprechen: Kommissar Kluftinger.

Für die „Welt“ ist dieser Ermittler sogar „der wahrscheinlich sympathischste Spießer der Literaturgeschichte“. Kobr und Klüpfel lasen in verteilten Rollen, mit verstellten Stimmen, sich gegenseitig herrlich die Bälle zuspielend, superlustige Passagen, in denen sie die Klischees genüsslich ausmalten: Kluftinger beim Unterwäsche-Geschenkekauf vor Weihnachten, entsetzt über den „Koschtenpunkt“ („ist schließlich bloß für meine Frau“), bei der „Ri-Ra-Rumba“ im Tanzkurs und am Golfsimulator, wo es ihm ein „inneres Bockbierfest“ ist, den Arzt Langhammer zu besiegen.

„Immer ist Ihre Figur der Depp“, beklagte sich „Herr L. aus M. am A.“ in einer Zuschrift. Die Briefe und E-Mails (also „Leserposcht“), die die „Möchtegern-Großschriftsteller“ (noch so eine Beschimpfung) vorlasen, klangen fast zu schön, um wahr zu sein - und andererseits dermaßen schräg, dass sie kaum erfunden sein können.

„Schade, dass Ihr Kommissar so oft fluchen muss“, beklagt etwa eine Leserin die „ordinäre Diktion“, nur um alle Schimpfworte, von Kreuzkruzifix bis Hundskrüppel, hingebungsvoll aufzulisten. Dass Lehrer Kobr und „Augsburger Allgemeine“-Kulturredakteur Klüpfel - beide gerade in Elternzeit - ihr literarisches Schaffen selbstironisch sehen, zeigte auch ihr amüsanter Bericht über eine Filmpreisverleihung, bei der der rote Teppich „mit dem Blut des gemeuchelten Selbstwertgefühls unzähliger B-Promis getränkt“ gewesen sei. Sie selbst nahm gar niemand wahr, ihr Auftritt für die TV-Aufzeichnung wurde komplett rausgeschnitten.

Im Buchhandel kann die Kluftinger-Krimis niemand übersehen. Es mutete deshalb etwas übertrieben an, wie intensiv das Duo für seine Bücher und die sonstigen Kluftinger-Produkte warb.

Ab Montag: Volker Klüpfel/Michael Kobr: Schutzpatron. Piper, 368 S., 19,95 Euro.

Von Mark-Christian von Busse

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