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Pussy Riot veröffentlicht Protestsong „Mama, Don‘t Watch TV!“

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Von: Kirsten Ammermüller

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Szenen aus dem Video: Gefangene Soldaten links und Aktivistinnen von Pussy Riot (rechts), die das in Russland verbotene Wort „War“ („Krieg“) verbreiten. Screenshots: Kirsten Ammermüller
Szenen aus dem Video: Gefangene Soldaten links und Aktivistinnen von Pussy Riot (rechts), die das in Russland verbotene Wort „War“ („Krieg“) verbreiten. Screenshots: Kirsten Ammermüller © Privat

Die kremlkritische Punkband Pussy Riot veröffentlicht Protestsong und Video

„Mama, ich bin gefangen genommen worden – Sieh nicht fern – Mama, hier gibt es keine Nazis.“ Ein junger russischer Soldat, telefoniert kurz nach seiner Inhaftierung mit seiner Mutter. Seine Worte hat die russische Punkband Pussy Riot in ihrem Anti-Kriegs-Song „Mama, Don’t Watch TV!“ zu einem eindringlichen Sprechgesang als Refrain vertont.

Zehn Monate nach Kriegsbeginn veröffentlicht das Aktivisten-Kollektiv den Song. Den Sommer über war es auf Europa-Tour mit seiner Performance, die auf Maria Aljochinas autobiografischem Buch „Riot Days“ basiert. Im Mai waren Pussy Riot nach dem Tourauftakt in Berlin und Rostock zu Gast im Theaterstübchen in Kassel.

„Mama, Don’t Watch TV!“ ist ein Protestsong gegen den Krieg, gegen Putin und seine „blutrünstigen Marionetten“, wie Aljochina auf Instagram schreibt. Beteiligt sind neben Maria Aljochina auch Olga Borisova, Diana Burkot und Taso Pletner. Der Refrain greift die Worte des jungen Soldaten auf, der seine Mutter weiter fragt: „Mama, warum wird der Krieg ‚Spezial-operation’ genannt?“ Deutliche Worte, unterlegt mit einem Video, dessen Bilder eine ebenso deutliche Sprache sprechen. Zerstörte Wohnhäuser, Militärfahrzeuge mit einem „Z“, das in dem Song als „Hakenkreuz“ bezeichnet wird, Panzer, die von einem russisch-orthodoxen Priester begutachtet und mit Heiligenbildern geschmückt werden. Dann Bilder der vergifteten Kremlkritiker Alexander Litwinenko, Sergej Skripal, Wladimir Kara-Murza, Pjotr Verzilow (Pussy Riot-Mitglied) und Alexej Nawalny.

Aljochina über das Video: „Wir haben mehrere Monate lang Filmmaterial gesammelt. Episoden wichtiger Raketenangriffe, die mir das ganze Jahr über nicht aus dem Kopf gegangen sind – Kiew, Charkiw, Mariupol.“ Und weiter: „ein Einkaufszentrum, dessen Ruinen Oxana Baulina besucht hat, die auf diesen Ruinen starb.“ Die russische Journalistin war bei ihrem Versuch, die Angriffe zu dokumentieren, durch eine Rakete getötet worden.

Aus einem auf dem Gehweg abgestellten Koffer rinnt Blut auf die Straße – ein Synonym für den westlichen Wohlstand, mit dem das Blutvergießen in der Ukraine finanziert worden sei. Das Kollektiv nennt drei Punkte, in denen es erstens ein Embargo für den Kauf von russischen Öl und Gas fordert. Zweitens die Beschlagnahmung der westlichen Bankkonten und des Vermögens russischer Beamten und Oligarchen und die Einführung persönlicher Sanktionen gegen sie. Und drittens fordern Pussy Riot ein internationales Tribunal, um Putin, Mitarbeiter der russischen Staatspropaganda, Armeeoffiziere und alle, die für den Völkermord an der ukrainischen Nation verantwortlich sind, vor Gericht zu stellen.

Während ihrer Tour haben Pussy Riot durch den Verkauf von Merchandise-Artikeln 30 000 Euro gesammelt und das Geld an das Kinderkrankenhaus „Ohmatdyt“ in Kiew gespendet.

Zum Video: zu.hna.de/PussyRiot

Beim Auftritt im Theaterstübchen: Pussy Riot-Mitglieder Diana Burkot (von links), Saxofonist Anton Ponomarev, Maria Aljochina und Olga Borisova.
Beim Auftritt im Theaterstübchen: Pussy Riot-Mitglieder Diana Burkot (von links), Saxofonist Anton Ponomarev, Maria Aljochina und Olga Borisova. © Andreas Fischer
Beim Auftritt im Theaterstübchen: Pussy Riot-Mitglieder Diana Burkot (von links), Saxofonist Anton Ponomarev, Maria Aljochina und Olga Borisova.
Beim Auftritt im Theaterstübchen: Pussy Riot-Mitglieder Diana Burkot (von links), Saxofonist Anton Ponomarev, Maria Aljochina und Olga Borisova. © Andreas Fischer

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