Der Stimmkünstler Vinx präsentierte im Kulturzentrum Schlachthof einen Überraschungsgast

Ein-Mann-Chor trifft Elektro-Cello

Singt mit sich selbst im Chor. Vinx, prominenter Gast aus den USA beim Jazzfest. Foto: Schachtschneider

Kassel. Vor 30 Jahren gehörte er zu den Weltbesten im Dreisprung. Das dürfte dem amerikanischen Multitalent Vincent De Jon Parrette, kurz Vinx, heute schwerfallen, füllt er die Bühne doch als Person, als blendender Entertainer und natürlich mit seiner großartigen Stimme. Das „Who’s who“ der Musikszene, mit welcher der auch als Maler erfolgreiche Sänger und Komponist gearbeitet hat, reicht von Stevie Wonder über Sting bis zu King Sunny Ade und den Drummers of Bahrundi.

Im Rahmen des Kasseler Jazzfestes konnten die 70 Zuhörer im Kulturzentrum Schlachthof Vinx ganz pur erleben. Wunderschön, wie sich über einem dichten, virtuos getrommelten Djembe-Rhythmus „My Funny Valentine“ als zarte, fast privat gesungene Melodie erhebt, an diesem Abend der direkteste Bezug zum Jazz.

Beeindruckend, wie Vinx mithilfe seiner Loop-Maschinen im Live-Playback einen ganzen Chor herstellt. Diese notgedrungen auf Ostinato-Linien und eine Harmonie reduzierten minimalistischen Gebilde waren aber nicht die eigentliche Sensation des Abends, sondern der spontane Auftritt des Berliner Experimental-Cellisten Ulrich Maiss.

Dieser hatte vor elf Jahren bei einer CD-Produktion von Vinx mitgewirkt und zufällig über das Internet von dem bevorstehenden Auftritt in Kassel erfahren. Und so kam das Publikum in den Genuss des ersten Duo-Live-Auftritts dieser bemerkenswerten Kombination.

Ulrich Maiss fügt der Stimme mit seinem ungewöhnlichen sechssaitigen E-Cello Elemente hinzu, die zwischen Avantgarde-Musik und Trance angesiedelt sind. Der Klassiker „Summertime“ entwickelte sich so in seiner stark verfremdeten, aber doch sehr emotionalen Form zu einem fast psychedelischen Klanggebilde.

Nicht unbedingt ein Abend für Puristen, aber eine Begegnung mit einem eigenwilligen Konzept voller Klangfarben, zelebriert von zwei absoluten Könnern und entsprechend mit viel Beifall aufgenommen.

Das Kasseler Jazzfest geht heute mit der Langen Jazznacht zu Ende. Ab 20 Uhr, Gleis 1.

Von Hartmut Schmidt

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