ARD, Freitag 21.45 Uhr

Interview: Regisseur Dominik Graf über seine Krimi-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“

Auf dem Weg zu einem Einsatz: Die Berliner Polizisten Anja Kirchner (Carmen Birk), Marek Gorsky (Max Riemelt), Sven Lottner (Ronald Zehrfeld) und Eva Padelski (Klara Manzel). Foto:  ard

Dominik Grafs hochgelobtes und mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnetes Mafia-Epos „Im Angesicht des Verbrechens“ ist Kino fürs Fernsehen. In der zehnteilige ARD-Serie, die schon auf Arte zu sehen war, geht es um die Russenmafia, Zigarettenschmuggler, Menschenhändler, Prostituierte und korrupte Polizisten. Wir sprachen mit dem 58-jährige Regisseur.

Kampf zwischen Mafia und Polizei. Was fasziniert Sie daran?

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Dominik Graf: Wie die Systeme Kriminalität und Polizei sich gegenseitig die Krallen zeigen, das hat Rolf Basedow mit großer Detailkenntnis im Drehbuch umgesetzt. Die ganzen zehn Folgen lang tobt ein Kampf zwischen Legalität und Illegalität. Auch der Illegalität innerhalb der Polizei. Beide Systeme, die Gangster und der Polizei-Apparat, haben jeweils Moralvorstellungen, Gesetze und Abläufe.

Die Stadt Berlin bietet sich wohl als Filmkulisse an.

Graf: Ich habe ja nur so getan, als würde ich authentische Orte zeigen. Es ging nicht darum, Originalschauplätze nachzubauen. Man sollte nur an den gezeigten Orten halbwegs das Gefühl haben: So könnte es aussehen.

Durch Ihren Film könnte der Eindruck entstehen, Berlin gehöre der Russenmafia. Inwieweit entspricht das der Realität?

Graf: Ab den frühen 90ern haben die osteuropäischen Strukturen Berlin kriminell umgekrempelt. Zur Jahrtausendwende hatten sie sich zu einer starken finanziellen Subkultur entwickelt.

Die Mafia wurde als Spiegel der Gesellschaft interpretiert.

Graf: Die Gesetze und die scheinbar fremden Riten krimineller Organisationen halten auf ihre Weise unserem bürgerlichen Leben den Spiegel vor. Es ist ein überscharfer Spiegel unserer eigenen rücksichtslosen Sitten. Bei uns werden Leute entlassen, dort werden sie erschossen.

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