Der Schriftsteller Raoul Schrott las in Vellmar aus seiner Erzählung „Das schweigende Kind“

Eindrücke von einem traurigen Buch

Raoul Schrott

VELLMAR. In Österreich nennt man sie die „rechtlosen Väter“, Männer, die ihre Kinder nicht sehen dürfen, weil die Mutter nicht zustimmt. „Es gibt kein gemeinsames Sorgerecht in unserem Land, das Machtmonopol liegt allein bei der Frau, das ist ein Skandal“, sagt der in Österreich lebende Autor Raoul Schrott, der im Vorfeld zu seinem neuen Buch „Das schweigende Kind“ mit vielen Betroffenen gesprochen hat.

Schrott, der zu den bedeutenden deutschsprachigen Autoren zählt, las aus dem neuen Werk auf Einladung des Vellmarer Literaturvereins „Ecke und Kreis“. „Es ist ein trauriges Buch“, sagte er fast entschuldigend zu den überwiegend weiblichen Zuhörern, „in der die Frau eine negative Rolle hat.“

Eine Frau, die ihre innere Leere mit dem Absolutheitsanspruch auf das Kind füllen will. 33 Briefe schreibt ein Vater an sein fernes Kind, das er gezwungen wurde zu verlassen. Die Tochter ist zwischen dem Mann und der Frau, ihren ständigen Auseinandersetzungen stumm geworden, hat sich ins Schweigen zurückgezogen.

Der 48-jährige Schriftsteller entwickelt bei seiner Lesung mit seinem melodischen Spachduktus einen fast hypnotischen Sog: Die Erzählung von einem Mann und einer Frau, die sich - ähnlich in ihrem Trotz und ihrer Sehnsucht - durch ein Kind vollenden wollen, lotet ohne stilistische Eitelkeit psychische Schädigungen und Unreife aus.

Schrott, nach eigenem Bekunden ein begeisterter Familienvater, bleibt dabei stets seinem Anliegen treu: „Ein Kind braucht beide Elternteile“, sagt der Mann mit dem Aussehen eines Naturburschen.

Raoul Schrott: Das schweigende Kind, Hanser Verlag, 199 Seiten, 17,90 Euro.

Von Juliane Sattler

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