Eine alte traurige Geschichte: Wolfram Mucha spielt den Postmeister

Da klingt eine traurig-schöne Weise: Wolfram Mucha in der Rolle des Postmeisters. Foto: Fischer

Kassel. Es endet, wie es beginnt: Wolfram Mucha sitzt an einem Tisch vor der Bühne und spielt auf dem Akkordeon eine traurige russische Weise.

Doch anders als zu Beginn entgleiten ihm nun die Tasten, er sinkt zusammen - der alte Postmeister ist tot.

Dem deutschen Publikum ist Alexander Puschkins Erzählung „Der Postmeister“ vor allem durch den gleichnamigen Film mit Heinrich George aus dem Jahr 1940 vertraut. Dort endet die Geschichte anders als im Original - mit dem Tod der Tochter Dunja, die ein forscher Rittmeister aus der Obhut ihres Vaters nach St. Petersburg entführt hat.

Wolfram Mucha war es ein Herzenswunsch, einmal den Postmeister zu verkörpern - und am Sonntag war es im gut gefüllten Theaterstübchen so weit: Zusammen mit Frank Sikora als Erzähler und Rittmeister sowie Katharina Brehl als Tochter Dunja war der 73-jährige Kasseler Schauspieler in einer szenischen Lesung in der Rolle des am Verlust seiner Tochter verzweifelnden Vaters zu erleben.

Es war Muchas erster größerer Auftritt nach einer längeren Krankheitsphase, und die Anstrengung war ihm durchaus anzumerken. Doch immer noch besitzt seine Stimme Kraft, ist seine Fähigkeit, sich in eine literarische Figur zu versenken, ungebrochen.

Ein Tisch, zwei Stühle, Kaffeegeschirr, Wodkagläser – mehr Requisiten benötigte das Trio nicht. Frank Sikora verwandelte sich mittels eines Schnäuzers vom mitfühlenden Erzähler in einen rücksichtslosen Herrenmenschen. Und Katharina Brehl beglaubigte ihren Wandel vom schüchternen Mädchen zur mondänen Gesellschaftsdame mit einem dicken Pelzmantel.

Eine Geschichte, die uns nicht so fern liegt, wie der Abstand von fast 200 Jahren vermuten ließe. Freundlicher Beifall für alle Beteiligten.

Von Werner Fritsch

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