Interview: Die Kasseler Schauspielerin Katharina Wackernagel über ihren neuen Kinofilm „bestefreunde“

„Eine altmodische Figur“

Unbeschwerter Moment: Mark (Sebastian Schwarz) und Susi Q. (Katharina Wackernagel) auf Reisen. Foto: nh

Susi Q. ist im Kinofilm „bestefreunde“ eine Bloggerin, die mit ihrem besten Freund Mark in der Welt unterwegs ist. Nun kommt sie zurück nach Berlin und muss feststellen, dass Mark eine feste Freundin hat und nicht mehr so sehr an Touren interessiert ist - was ihr beides nicht gefällt. Zudem muss sie damit klarkommen, dass ihr die Wohnung gekündigt wird. Die Kasseler Schauspielerin Katharina Wackernagel spielt im neuen Film ihres Bruders Jonas Grosch, den sie auch miteinander produziert haben. Der Film hat heute seine Premiere in Berlin.

Mehrfach werfen Sie im Film Gläser an die Wand. Es wirkt, als war es Ihnen ein Bedürfnis gewesen, solche Szenen ins Drehbuch hineinzuschreiben. Fühlt sich das gut an?

Katharina Wackernagel: Klar, das ist einfach was, was jeder gern mal machen würde - wenn auch vielleicht nicht in der eigenen Wohnung.

Der Film zeigt die Hauptfigur Susi Q. anfangs in einem Gefühl der Verlorenheit, als sie nach einer Reise wieder in Berlin landet. Es geht bei „bestefreunde“ immer wieder darum, wo man zu Hause ist. Wie würden Sie die Frage für sich beantworten?

Wackernagel: Zu Hause ist da, wo meine Freunde und Familie sind. Und mittlerweile ist es auch Berlin, wo ich mit 17 hergezogen bin, also vor fast 20 Jahren. Berlin ist natürlich keine freundliche Stadt, im Februar ist es hier echt hart. Je größer der Drang von außen wird, dass Susi etwas verändern soll, desto mehr hält sie am Bisherigen fest. Ihre Wohnung interessiert sie eigentlich nicht, doch als sie raus muss, will sie plötzlich nicht. Jonas und ich nennen diese Lebensphase das zweite Erwachsenwerden.

Das ist ein Thema des Films - dass man sich festlegen muss, wer man ist, wo man leben, was man arbeiten will, dass man akzeptieren muss, dass es im Leben nicht nach Wunsch läuft. Was prägt diese Zeit des zweiten Erwachsenwerdens?

Wackernagel: Es geht damit los, dass man immer früher erwachsen werden soll - schon in der Schule soll man wissen, was man später machen will, Hartz IV wird als Horrorbild an die Wand gemalt, im Fernsehen laufen diese Losershows. Dann rutsche ich nach der Schule schnell in eine Ausbildung oder ein Studium rein - und mit Mitte 30 wache ich auf und frage mich, ob ich das mache, was ich machen will.

Wie entwickelte sich aus diesen Überlegungen die Idee für den Film?

Wackernagel: Jonas und der spanische Regisseur Carlos Val, der mal ein Jahr bei uns in der WG gewohnt hat, wollten eine Freundschaft als Liebesgeschichte erzählen. Auch das ist etwas, was man mit Mitte 30 realisiert: Dass Trennungen von guten Freunden ebenso schmerzhaft sein können wie die von Beziehungspartnern.

Wie haben Sie die Figur der Susi gestaltet?

Wackernagel: Sie ist das Alter Ego von uns dreien. Sie ist starrköpfig und stur - leider gibt es im Deutschen nicht so viele Begriffe, sie zu beschreiben, das ist immer schnell negativ belegt. Aber ihre Art, sich von einer Sache nicht abbringen zu lassen, hat auch etwas Sympathisches. In ihrem Beharren ist sie eigentlich eine altmodische Figur.

Wie haben sich die beiden Regisseure die Arbeit geteilt?

Wackernagel: Carlos hat die Bildregie gemacht, Jonas mit den Schauspielern gearbeitet.

Eine wichtige Rolle spielt die Musik. Wie haben Sie die ausgewählt und eingesetzt?

Wackernagel: Jonas hat die australische Sängerin Mojo Juju in einem Club in Berlin entdeckt. Ihre Musik wird zur Gedankenstimme von Susi - und fügt der Figur damit einen Überbau zu. Schön ist, dass wir so die Musik von Mojo Juju nach Deutschland bringen, die hat hier nämlich bisher keine Plattenfirma. Jonas schaut jetzt, dass jemand einen Soundtrack rausbringt.

Erneut haben Ihr Bruder und Sie den Film gemeinsam produziert. Wie lief das?

Wackernagel: Wir hatten den Vorgängerfilm „Die letzte Lüge“ auch selbst produziert und konnten den dann ans ZDF verkaufen. Damit haben wir den Film refinanziert und hatten den Grundstock für die neue Produktion. Jonas bringt den Film jetzt auch selbst raus, es ist schwierig, für einen so kleinen Film mit einem Verleih zu arbeiten. In den nächsten Tagen sind wir in zehn Städten in Deutschland auf Kinotour.

Die Kasseler Premiere mit dem Team ist am Montag, 20 Uhr, im Bali-Kino, Kulturbahnhof, für Mitte März sind dann weitere Termine geplant.

Von Bettina Fraschke

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