Balikino zum besten Filmtheater Hessens gekürt - Interview mit Burkhard Hofmann

„Eine besondere Leistung“

Leidenschaft für Film: Bali-Gesellschafter Burkhard Hofmann (v. li.), Henry Witzel, Frank Thöner und Gerhard Wissner. Archivfoto:  Fischer

Kassel. Hessens künstlerisch bestes Filmprogramm läuft im Kasseler Balikino. Bei der Verleihung des Hessischen Filmpreises am Wochenende wurde das Filmtheater mit der Höchstsumme in der Kategorie „Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos“ ausgezeichnet: 12 500 Euro. Der Filmladen bekam 7500 Euro. Vor Kurzem gab es außerdem bundesweit eine Auszeichnung für das Bali: 10 000 Euro bei den Kinoprogrammpreisen des Bundes. Wir sprachen mit Bali-Mitgesellschafter Burkhard Hofmann.

Bei der Preisverleihung hat Regisseur Chris Kraus als Laudator gesagt, Filmkunstbetriebe würden auch fürs pure Überleben prämiert. Ist es so schlimm?

Hofmann: Wir brauchen im Jahr sechs bis sieben große Filme, die jeweils 7000 bis 10 000 Besucher erreichen. Mit den vielen kleinen Filmen und Sonderveranstaltungen verdienen wir nicht das Geld. Wenn einer dieser Filme ausbleibt, wird es dramatisch. Dieses Jahr haben wir aber ein Besucherplus von 15 Prozent.

Wofür kann dieses Preisgeld verwendet werden?

Burkhard Hofmann: Das fließt in unseren Etat ein, der bei etwa einer Million im Jahr liegt. Für Extras bleibt da nichts übrig. Wenn etwas übrig bleibt, legen wir es zurück für die bald anstehende Digitalisierung.

Der Film „Eat Pray Love“ ist vor drei Wochen in allen drei Kasseler Kinobetrieben gestartet, bei Ihnen im Gloria, aber auch im Cineplex und im Cinestar. Lohnt sich das?

Hofmann: Für die anderen kann ich nicht sprechen, aber wir sind zufrieden. Wir haben „Eat Pray Love“ ins Programm genommen, weil er zum Gloria passt - der Film spricht das bürgerliche, weibliche Publikum an, das erreichen wir ganz gut. Umgekehrt hätten wir gern den Film „Goethe!“ gezeigt, der diese Woche anläuft. Wir denken, der würde zu uns gut passen, aber der Verleiher hat ihn uns nicht gegeben. „Goethe!“ läuft jetzt in den anderen Kinos, aber drei Kopien für Kassel waren dem Verleih zu viel.

Aus den Multiplexen hört man Unmut darüber, dass Sie quasi mit öffentlicher Unterstützung niedrigere Eintrittspreise anbieten können - gibt es Wettbewerbsverzerrung?

Hofmann: Es ist nicht so, dass wir subventioniert werden. Das Geld ist ein Preis für eine besondere kulturelle Leistung. Er unterstützt uns, künstlerische Filme von kleinen Verleihen zu zeigen, die nicht viel Geld einspielen. Ich habe diesen Unmut übrigens noch nie gehört. Es ist doch umgekehrt: Die Plexe machen dauernd Sondertarife. Wir nehmen die im Filmkunstbereich üblichen Eintrittspreise.

Ihr Kollege Frank Thöner hat bei der Preisverleihung ans Land Hessen appelliert, die Kinos bei der Umstellung auf digitale Technik zu unterstützen. Wie ist der Stand?

Hofmann: Alle Kinos müssen umbauen, denn künftig werden Filme nicht mehr auf 35-mm-Kopie gezeigt, sondern digital. Das erfordert eine Investition von 70 bis 80 000 Euro, die sich besonders kleine und Landkinos nicht leisten können. 1000 von bundesweit 4300 Leinwänden sind akut bedroht. Der Bund hat ein Förderprogramm aufgelegt, das aber nur abrufbar ist, wenn die Länder etwas dazugeben. Hessen ist noch nicht dabei. Es gibt aber erste Signale.

Von Bettina Fraschke

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