Mit Kleinkunstpreis ausgezeichnet

Eine Dosis Spaß: Das Duo "Die Feisten" in Kaufungen

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Sie unterhalten als „Die Feisten“: Mathias Zeh (links) und Rainer Schacht in Kaufungen.

Kaufungen. Ja, das gibt es noch: das völlig unpolitische Comedy-Format mit Niveau. Das mit dem deutschen Kleinkunstpreis 2017 ausgezeichnete Zwei-Mann-Song-Comedy-Duo „Die Feisten“ gastierte am Donnerstagabend im fast ausverkauften Bürgerhaus in Kaufungen.

Es injizierte den anwesenden Gästen erfolgreich eine nebenwirkungsfreie Dosis unbeschwerter Fröhlichkeit. Mathias Zeh (wohnt in Kassel) und Rainer Schacht aus Herborn beherrschen die hohe Kunst der Inszenierung akribisch sezierter Alltagsbeobachtungen in Wort und Ton, ohne dabei die AfD, Trump oder die Umweltzerstörung explizit erwähnen zu müssen. Bis auf ein radikales Statement für Vegetarismus dominierte federleichte Eloquenz und musikalische Weltläufigkeit den Abend.

Dabei skizzieren die Feisten ihre Bühnencharaktere so lässig, dass man sich fühlt wie ein Astronaut, dem schwerelos im All treibend über Funk witzige Anekdoten in den Helm übermittelt werden. Die Leichtigkeit des Seins, gepaart mit der gefühlvoll-sarkastischen Perspektive wortverliebter Philanthropen, sorgt für schwebende Momente der Unbeschwertheit. Von so weit oben betrachtet, ist der Griff in die hygienisch verseuchte Nussschüssel auf der Theke einer Kneipe noch lustiger, und die von dem ukrainischen Nachbarn vertriebene Stalkerin ein Brüller.

Je weiter die Distanz zum Ursprung der Geschichte, desto frecher und hemmungsloser kann man seine Witze darüber machen, ohne jemandem böse auf die Füße zu treten. Das ist das Credo der Feisten.

Mit Gitarren, Mandolinen und Cajon sorgen sie für einen sparsamen, extrem coolen Sound, mit dem sie ihre Songs perfekt mit der vorherrschenden Bühnenatmosphäre verkleben.

Fantasievoll kreieren sie ein ganzes Kabinett fiktiver Figuren, die es in Wirklichkeit so nicht gibt und die doch überall anzutreffen sind. Wie Flamingo Dolores, die Wirtin aus dem Dorflokal, die mal bemerkte, sie „hat eine Klitoris und wenn Mann das weiß, sie froh ist“. Humor unter der Gürtellinie, aber angereichert mit Charme, Herz und Verstand. So hielt es das Publikum auch nicht auf den Stühlen, als man mit „Wulle ma se“ das letzte Lied gemeinsam intonierte, um dann das Duo mit großem Applaus zu verabschieden.

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