Interview mit Michael Douglas: „Eine fantastische Figur“

Zweiundzwanzig Jahre nach seinem Auftritt als Geldhai Gordon Gekko spielt Michael Douglas ab morgen in der Fortsetzung „Wall Street: Geld schläft nicht“ nochmals den Bösewicht.

Wie schwierig war es, erneut die Heuschrecke zu geben?

Michael Douglas: Die Rolle ist für mich gar nicht so schwer, viel schwieriger ist es, dafür zu sorgen, dass der Film als solcher gut gelingt - schließlich bin ich auch als Produzent daran beteiligt.

Mit welchen Gefühlen sind Sie nochmals in die Rolle des Gordon Gekko geschlüpft?

Douglas: Ich war glücklich. Gekko ist ja nicht nur eine fantastische Figur, es ist eine der besten Rollen, die ich je bekam - und die mir immerhin einen Oscar bescherte. Das Angebot einer Neuauflage hat mich sofort begeistert, erst recht, weil Gekko diesmal nicht mehr oben ist, sondern ganz unten anfangen muss.

Wie hat sich Gordon Gekko verändert?

Douglas: Wer so lange Zeit im Gefängnis verbracht hat, der verändert sich. Gordon hatte viel Zeit zum Nachdenken. Was in der Finanzwelt passiert ist, beurteilt er pessimistisch. Er kann objektiv die Probleme betrachten und sehen, wie schwerwiegend sie für uns sind. Ob er aus seinen Fehlern gelernt hat, lassen wir zunächst bewusst offen.

Was sagen Sie dazu, dass Ihr Gordon Gekko zur Kultfigur unter den Börsenhändlern aufstieg?

Douglas: Das ist schon sehr seltsam. Natürlich könnte man sagen, dass ein guter Bösewicht immer populär ist. Oder dass ein starkes Drehbuch diesem Gekko großartige Dialoge schrieb. Aber wenn ich mit Ökonomie-Studenten rede, wollen die überhaupt nichts davon hören, dass Gekko das Gesetz gebrochen und Unternehmen zerstört hat - die finden Gekko einfach immer nur ganz cool.

Ist die Finanzkrise die beste Werbung für die „Wall Street“-Fortsetzung?

Douglas: Im Gegenteil, das ist ein Dilemma für den Film. Denn hier geht es ja nicht nur um die Bankenkrise, sondern es geht um sehr viel mehr. Um Familie, Väter, Freundschaft, Vertrauen. Wir müssen es also schaffen, dass die Zuschauer nicht irrtümlich davon ausgehen, dass sie nun auf der Leinwand sehen werden, was sie aus den Nachrichten kennen.

Kann Kino die Welt verändern?

Douglas: Ich habe nichts dagegen, wenn ein Film zum Nachdenken anregt. Aber die wichtigste Aufgabe des Kinos ist die Unterhaltung. Wobei es in den meisten meiner Filme eine Botschaft gab. Aber wer sein Publikum nicht unterhält, dem läuft es davon.

Sie haben viele Ikonen gespielt, was ist Ihre liebste Rolle?

Douglas: In meiner Karriere habe ich häufig Typen gespielt, von denen man nicht geglaubt hätte, dass man sie mag - ob in „Eine verhängnisvolle Affäre“ oder in „Wall Street“. Man arbeitet für seine Erfolge genauso hart wie für seine Niederlagen, deswegen kann ich eine Lieblingsrolle nicht eindeutig benennen.

Als nächstes spielen Sie den schillernden Entertainer Liberace - was reizt Sie daran?

Douglas: Liberace ist ein liebenswerter Typ, ein bunter Paradiesvogel - und außerdem bekomme ich Matt Damon als meinen jungen Liebhaber.

Kommt „Wall Street 3“?

Douglas: Mein Vater Kirk ist jetzt 93 Jahre alt, und er möchte noch gerne einen Film drehen - falls man sich die Versicherung dafür leisten kann. Ich kann also auf meine guten Gene hoffen. Und wenn es eine gute Geschichte dafür gibt, wäre ich bei „Wall Street 3“ sicher wieder mit dabei.

Was haben Sie von Ihrem Vater gelernt?

Douglas: Ich durfte miterleben, wie mein Vater mit dem Berühmtsein umgegangen ist. Ich habe die Unsicherheiten gesehen. Ich habe mitbekommen, wie mein Vater mit der Öffentlichkeit umging. Besonders dankbar bin ich ihm, dass er die Rechte zu „Einer flog über das Kuckucksnest“ erwarb, ein Film der für meine Karriere sehr wichtig war.

Zur Person:

 Bekannt wurde Michael Douglas (66) durch die Serie „Straßen von San Francisco“. Für „Einer flog über das Kuckucksnest“ bekam er als Produzent einen Oscar. Den zweiten holte sich Douglas als Schauspieler für seine Paraderolle als Gordon Gekko in „Wall Street“ (unser Foto zeigt ihn in Teil 2). Der in New Jersey geborene Schauspieler ist sehr krank, er hat einen Tumor im Hals. Der Sohn von Kirk Douglas ist mit Schauspielerin Catherine Zeta-Jones in zweiter Ehe verheiratet. Er hat drei Kinder.

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