Salome Kammer bei den Kasseler Musiktagen

Eine faszinierende Mundwerklerin

Lange beklatscht: Die leidenschaftliche Sängerin Salome Kammer. Foto: Koch

Kassel. Wahnsinn, was man mit der Stimme alles machen kann. Salopp lässt sich so das Erlebnis beschreiben, dessen hundert Konzertbesucher am Mittwoch bei den Kasseler Musiktagen teilhaftig wurden. Salome Kammer, die wandlungsfähige Stimmsolistin, Schauspielerin, Sängerin und Cellistin, gab in der Alten Brüderkirche einen Liederabend der etwas anderen Art.

Salome Kammer, die wandlungsfähige Stimmsolistin, Schauspielerin, Sängerin und Cellistin, gab in der Alten Brüderkirche einen Liederabend der etwas anderen Art. Der dauerte nur eine Stunde, war aber prall an Klangnuancen und mimischem Ausdruck.

Unerhört bunt schon allein die „Aria“ von John Cage. Aus farbigen Kurven bestand die Partitur, die Kammer dem Publikum zeigte. Dunkelblau setzte die famose Mundwerklerin (wenn man sie so nennen darf) mit Jazzstimme um, Hellblau mit naiver Mädchenstimme und Knallrot mit Opernstimme - um nur drei Beispiele anzuführen.

Den Unterhaltungswert der einstigen Avantgarde belegte sie auch mit der Sequenza III von Luciano Berio, mit Laut- und Klanggedichten von Hugo Ball sowie mit „Récitations“ von Georges Aperghis, die dem Klang der französischen Sprache vom Verlangen (désir) bis zum koketten Auflachen nachspürten. Und ein Stück klang so, als würde ein Tonband rückwärts laufen.

Archaik bildete eine weitere Farbe des lang beklatschten Solos. Denn zum Auftakt gab es Mittelalterliches von Hildegard von Bingen und zum Ausklang Frühbarockes von Tarquinio Merula. Die Künstlerin, die aus dem oberhessischen Nidda stammt und seit Langem in München lebt, begleitete sich dabei selbst am Cello. Ganz leise war die Musik Hildegards, bis der Tontechniker Helge Herrmann die Verstärkung dezent nach oben fuhr. Ein schöner Crescendo-Effekt zum Einstieg in eine faszinierende Stunde.

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