Die spektakuläre Sammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg wurde neu konzipiert

Eine Galerie der Meisterwerke

Albrecht Dürer, Bildnis des Malers Michael Wolgemut (1516)

Nürnberg. Weltberühmte Stücke gehören zur Schausammlung von Kunst und Kultur in Renaissance, Barock und Aufklärung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg - darunter Martin Behaims „Erdapfel“ (1491-1493), die älteste erhaltene Darstellung der Erde in Kugelform. Nach sechsjähriger Vorbereitung wird die spektakuläre Ausstellung nun ganz neu präsentiert.

Mit einem Kostenaufwand von 5,5 Millionen Euro sind im Obergeschoss des Museums auf 2000 Quadratmetern 33 Themenräume mit rund 1000 Objekten eingerichtet worden. Reihenweise Prunkstücke ließen sich aufzählen. Doch hervorzuheben ist das in Deutschland einzigartige Konzept ihrer Präsentation: Die Meisterwerke der Kunst sind in ihr kulturgeschichtliches Umfeld eingebettet. Es sollen Zusammenhänge über jedes Epochen- und Kunstgattungs-Schubladendenken hinaus aufzeigt werden.

Beim Rundgang kann man sich an drei Leitmotiven orientieren. Im Blickpunkt stehen die sich immer wieder verändernden Strategien des Sammelns und Repräsentierens, die der Adel und das wohlhabende Bürgertum vom 16. bis 18. Jahrhundert entwickelten. Andere Räume sind im Zeichen von Reformation und Gegenreformation der Wechselwirkung von Kunst und Glauben gewidmet. Überdies veranschaulichen zahlreiche Porträts das sich wandelnde Bild vom Menschen.

Vor allem die Kunst der Renaissance feiert wahre Triumphe. Den Anfang machen Dürer und die Nürnberger Kunst der frühen Neuzeit. Zu Dürers Monumentalformaten, die Kaiser Karl den Großen und Kaiser Sigismund zeigen, gesellen sich die kleinen Bildnisse, die er von seiner Mutter und seinem Lehrmeister, dem Maler Wolgemut, schuf. Der von der Decke hängende hölzerne Drachenleuchter (um 1510), ausgestattet mit drei Köpfen, Flügeln und Elchgeweih, wurde vom berühmten Bildschnitzer Veit Stoß nach einem Entwurf Dürers gefertigt.

Imponierend sind auch Malerei und Skulptur aus Schwaben und Augsburg vertreten. Die zehn Tafeln von Bernhard Strigels „Mindelheimer Sippenaltar“ (um 1505/06) zeigen die Heilige Sippe und die legendäre Verwandtschaft der Familie Christi als würdevolle Erscheinungen vor Goldgrund. Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach und andere berühmte Maler schließen sich mit Meisterwerken an.

Der Triumphzug hat seinen letzten Höhepunkt in der „Fürstlichen Barockgalerie“ mit Arbeiten aus dem 18. Jahrhundert. In der Mitte des Saals werden in Vitrinen Statuetten gezeigt, begleitet von originalen Musikinstrumenten.

An den Wänden stehen Konsoltische, Bänke und ein Prunkschreibtisch. Darüber hängen in dichter, teils zweireihiger Hängung Gemälde. Ihre dekorative Anordnung folgt nach alter fürstlicher Art der Symmetrie, während es hinsichtlich Motiv, Künstler oder Schule kunterbunt zugeht: Herrscherporträts, Landschaften, Stillleben, christliche Motive und mythologische Szenen wirbeln durcheinander.

Germanisches Nationalmuseum, Kartäusergasse 1, Nürnberg. Informationen unter Tel. 0911 / 13310, Der Katalog kostet 49,65 Euro. Internet: www.gnm.de

Von Veit-Mario Thiede

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.