Willkommen in Dinah Washingtons Jazzclub: China Moses gastierte mit ihrem Trio im Kulturzelt

Eine ganz persönliche Widmung

Grandiose Stimme: China Moses bei ihrem Kasseler Auftritt. Foto: Malmus

Kassel. Eine Hommage, da erwartet man schnell eine defensiv-ehrfurchtsvolle Annäherung. Nicht so bei China Moses und ihrem Tribute an Dinah Washington „This One´s For Dinah“: Mit ungeheurer Bühnenpräsenz katapultierte die begnadete Tochter von Dee Dee Bridgewater das Publikum im Kulturzelt am Sonntagabend direkt in einen pulsierenden Jazzclub der 50er-Jahre.

Eingebettet in ein fast schon kabarettistisches Entertainment lässt sie mit ihrer grandiosen, zwischen Soul, Jazz und Blues pendelnden Stimme die großen Erfolge Dinah Washingtons Revue passieren. Der Pianist Raphael Lemonnier kleidet die Songklassiker in raffinierte Arrangements zwischen fein austarierten Jazz-Harmonien und einem zupackenden Blues- und Boogie-Stil. Die neue Kulturbühne mit ihrer aufwändigen Tontechnik schafft hier einen Sound, der kleinste Nuancen herausarbeitet.

Kraftvolle Soloparts

Fabien Marcoz begeistert am Bass mit swingendem Walking-Fundament und melodiösen Linien, Francois Laudet verlässt am Schlagzeug immer wieder die Rolle des Begleiters zugunsten kraftvoller Soloparts, die an Drum-Legenden wie Max Roach erinnern. Auf diese Weise ergibt dieses perfekt zusammenwirkende Trio die ideale Basis für die kleinen und großen Storys um die legendäre Jazz-Diva Dinah Washington, die von China Moses mit großer Sympathie, aber auch einer guten Portion frecher Distanz verkörpert werden.

China Moses, die auch erfolgreich als Fernsehmoderatorin arbeitet, umrahmt die Songs mit witzigen Anekdoten und blendet nahtlos in den kraftvoll gesungenen Rhythm & Blues von „Fat Daddy“ oder das atemberaubende Uptempo von „Lover come back to me“, um dann in „Cry me a river“ große Gefühle zu zelebrieren und schließlich im selbst geschriebenen „Dinah’s Blues“ ihre ganz persönliche Widmung an Dinah Washington zu senden.

Die 400 Zuschauer forderten mit starkem Beifall zwei Zugaben ein, und so schloss das Konzert mit einem der größten Hits, „What a difference a day makes“, und China Moses und ihre Band boten noch einmal, was für den Abend bestimmend war: die Verbindung von blendendem Entertainment, musikalischer Eleganz und hoher Intensität. Ein zeitlos schöner Jazzabend.

Aktuelle CD: China Moses & Raphael Lemonnier: „This One’s For Dinah“ (Blue Note/ Emi)

Morgen, 19.30 Uhr, im Kulturzelt: Rebekka Bakken.

Von Hartmut Schmidt

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