Eine Hymne auf Berlin: Superstar David Bowie meldet sich zurück

Bis am Montag dachte man, ein schlechter Witz könnte das Letzte sein, was man an Neuem von David Bowie gehört haben wird.

Vor etwas mehr als einem Jahr stellte der britische Superstar eine Weihnachtsbotschaft auf seine Webseite, in der er auf einer Blockflöte ziemlich gewöhnungsbedürftig ein „Requiem für einen lachenden Gnom“ spielte. Viele Fans konnten darüber nicht lachen.

Bowies letztes Album „Reality“ stammt aus dem Jahr 2003. Zuletzt hieß es, der Künstler, der mit seinen Kunstfiguren Major Tom und Thin White Duke Pop-Geschichte schrieb, sei schwer krank. Und dann tauchte Dienstag pünktlich zu Bowies 66. Geburtstag ein neuer Song auf. „Where Are We Now?“ ist der Vorbote zu „The Next Day“, Bowies 30. Album, das im März erscheinen soll und das man bei iTunes bereits jetzt vorbestellen kann.

Fans und Kritiker waren sofort hin und weg. Der britische „New Musical Express“ schrieb: „Der Song kriegt dich beim ersten Mal. Und dann merkst du, dass du gerade 20 Mal auf Wiederholung gedrückt hast.“

Bowie hat das viereinhalbminütige Lied mit Tony Visconti an seinem Wohnort in New York aufgenommen. Der US-Produzent hatte Ende der 70er schon Bowies legendäre Alben „Low“, „Heroes“ und „Lodger“ in den Berliner Hansa-Studios aufgenommen. „Where Are We Now?“ ist eine Hommage an die deutsche Hauptstadt.

Im dazugehörigen Video, das der documenta-Künstler Tony Oursler gedreht hat, sieht man eine ehemalige Autowerkstatt in Schöneberg, neben der Bowie von 1976 bis 1979 mit seinem Kumpel Iggy Pop wohnte, und Berliner Sehenswürdigkeiten. Zu bittersüßen Streichern singt Bowie über den Club „Dschungel“ in der Nürnberger Straße, in dem er Stammgast war, das KaDeWe, und die 20 000 Menschen, die am 9. November 1989 die geöffnete DDR-Grenze über die Bösebrücke passierten. Im zweiten Teil entwickelt der Song als Crescendo und mit den flirrenden Gitarren einen Sog, den man dem Altmeister nicht mehr zugetraut hätte.

„Where Are We Now?“ ist eine großartige Hymne auf das alte Westberlin, die perfekt in die Zeit passt. Nach all den Schlagzeilen um Schwaben-Gentrifizierung und Flughafen-Fiasko war die Hauptstadt zuletzt nicht mehr sexy, sondern nur noch arm sowie ein schlechter Witz. Nun ist Bowie wieder da und Berlin wieder cool. Und das ist gut so.

Von Matthias Lohr

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