Das neue Album der irischen Band The Cranberries klingt wie die alten Platten

Eine Klangreise in die 90er

Wieder vereint: Die Cranberries mit Sängerin Dolores O’Riordan (von links), Mike Hogan, Fergal Lawler und Noel Hogan. Foto:  Universal

Es war 1994, als die Cranberries aus Limerick in Irland mit zwei Alben auf dem frühen Gipfel ihres Ruhms standen. „Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We“ sowie der Nachfolger „No Need To Argue“ mit „Zombie“ und „Ode To My Family“ verkauften sich millionenmal.

Dann ging die Band den üblichen Weg - steil bergab. „Wir haben damals viel zu hart gearbeitet“, sagt Sängerin Dolores O’Riordan. „Anfangs hat es noch Spaß gemacht, aber dann sind wir durch die Gegend gewirbelt wie die Irren, ohne jede Pause. Wir haben drei Alben nacheinander gemacht, waren überall auf Tournee, irgendwann macht der Körper nicht mehr mit. Ich wurde richtig krank.“

Die Cranberries machten zwar weiter, allerdings nahm die Begeisterung parallel zum kommerziellen Erfolg weiter ab. Es gab Stress mit den drei Jungs, den Brüdern Noel und Mike Hogan sowie Fergal Lawler, was der Qualität der Songs nicht zuträglich war, und 2003 war Schicht. „Musik war kein Hobby mehr“, erinnert sich Dolores, inzwischen 40, „sondern nur noch ein Mittel zum Geldverdienen.“

Davon hat O’Riordan genug, sie zählt zu den reichsten Frauen Irlands. „Ich war sehr früh sehr wohlhabend. Aber Geld kann auch viel kaputt machen. Wir sehen das in Irland. Viele Menschen sind aus Angst um ihren Wohlstand krank geworden. Das Leben ist nun einmal nicht dazu da, dicke Autos zu fahren.“

Dolores, die trotz des Besitzes dicker Autos am liebsten mit dem Mountainbike unterwegs ist, bekam drei Kinder, nahm zwei Soloplatten auf. Dann näherte man sich auch in Sachen Cranberries wieder an. „Die Zeit ohne die Band haben wir gebraucht, andere Dinge im Leben zu entdecken. Jetzt sind wir ein bisschen reifer und haben erkannt, dass es die Cranberries-Magie nur gibt, wenn wir zusammen spielen.“

Im vorigen Frühling arbeiteten sie in Toronto mit ihrem Lieblingsproduzenten Stephen Street an alten und neuen Songideen. Herausgekommen ist das nun erschienene „Roses“. Ein neues Cranberries-Album, das klingt wie ein altes Cranberries-Album. Nicht so genau muss man auf die Texte achten, die zumeist von wenig mehr handeln als darüber, dass man das Leben leben sollte, solange man lebt. Klanglich dürften die Freunde der frühen Cranberries am meisten zu lachen haben.

Die Single „Tomorrow“ oder auch das Titelstück „Roses“ könnten direkt aus den Neunzigern zu uns herübergeweht sein. Relativ weich, entspannt, mit Streichern und eher poppig als rockig ist die Ausrichtung des Albums.

„Wir haben unseren Sound wiedergefunden“, jubelt Dolores, deren markante und manchmal leicht zum Jodeln tendierende Stimme nach wie vor darüber entscheidet, ob man die Cranberries nun mag oder nicht.

The Cranberries: Roses (Vertigo/ Universal).

Wertung: !!!::

Von Steffen Rüth

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