"Eine krasse Erfahrung": Sängerin Annett Louisan im Interview

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Annett Louisan

Mal sanft und melancholisch, mal frech und frivol: Annett Louisan ist eine Frau der Gegensätze. Mit ihrer Tour zum aktuellen Album kommt die Sängerin auch nach Kassel. Uns erzählt sie, was typisch Annett Louisan ist.

Frau Louisan, Ihr neues Album und Ihre gerade gestartete Tour heißen „Zu viel Information“. Wann haben Sie sich zum letzten Mal gedacht, das hätte ich jetzt wirklich nicht wissen müssen? 

Annett Louisan: Privat ist mir das in letzter Zeit eigentlich nicht passiert. Eher im Internet oder in bestimmten Zeitungen. Da geben Leute oft Informationen preis, die mir einfach zu viel sind.

Das neue Album wird als „typisch Annett“ beschrieben. Was bedeutet das für Sie? 

Louisan: Erst mal was total Gutes. Ich bin sehr stolz, sagen zu können, einen Stil für mich gefunden zu haben, der typisch Louisan ist. Ich liebe es, Emotionen in Menschen hervorzurufen.

In Ihrer Musik spielen Sie oft mit Gegensätzen: Wie sehen Sie sich selbst am liebsten? Verspielt oder doch eher verrucht? 

Louisan: Ich mag beides. Ich hab für mich herausgefunden, dass ich mich gar nicht auf eine Seite schlagen muss. Entscheidungen finde ich ohnehin unglaublich schwer. So ist es auch in meiner Musik. Hätte ich da nur tiefer gehende und melancholische Lieder, würde mir das sicher auch irgendwann unglaublich auf die Nerven gehen.

Fällt es Ihnen manchmal schwer, Ihre melancholischen Lieder zu singen? 

Louisan: Ja klar. Aber sobald ein Publikum da ist, kickt mich das total. Es ist mein Anspruch, auch wenn ich mich selbst mal nicht so gut fühle, dass jeder Einzelne glücklich aus meinem Konzert rausgeht.

Nun sind Sie bereits seit zehn Jahren im Musikgeschäft: Wie glücklich macht Sie das? 

Louisan: Das ist eine schöne Frage, die für mich aber gar nicht so leicht zu beantworten ist. Zum einen macht es mich wahnsinnig glücklich. Auf der Bühne zu stehen und zu singen, ist vielleicht sogar das größte Glück in meinem Leben. Auf der anderen Seite macht es mich aber auch unglücklich, weil ich manchmal gar nichts fühlen kann.

Wie meinen Sie das? 

Louisan: Wenn man großes Glück empfindet, ist es sehr schwer, das zu wiederholen oder sogar zu toppen. Eine Tournee ist wirklich eine krasse Erfahrung. Jedes Gefühl verdoppelt und verdreifacht sich auf der Bühne. Der ganze Adrenalinhaushalt ist auf höchstem Niveau. Nach einer Tour muss ich lernen, die kleinen Nuancen im Leben neu wahrzunehmen. Es gibt Phasen, die mich richtig taub machen. Das ist wie ein Entzug. Aber ich kenne mittlerweile Methoden, um wieder runterzukommen.

Welche sind das? 

Annett Louisan live

Donnerstag, 29. Mai, 20 Uhr, Staatstheater Kassel (Opernhaus). Karten unter Telefon 0561/10 94-222.

www.staatstheater-kassel.de

Louisan: Handy aus, wegfahren, oder - was ich meistens mache - weiterarbeiten.

Mit Ihrer Tour machen Sie Ende Mai auch im Staatstheater Kassel halt. Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie in einer großen Halle oder einem Theater auftreten? 

Louisan: Ich hab mir ehrlich gesagt gewünscht, im Staatstheater aufzutreten. Ich bin kein großer Fan von Hallen. Da komme ich lieber dreimal wieder, als einmal in einem Riesending aufzutreten.

Was wünschen Sie sich für die nächsten zehn Jahre? 

Louisan: Also zumindest nicht, dass es so weitergeht wie bisher. Die letzten zehn Jahre waren eine gute Schule: Die Bühnenerfahrung, der Umgang mit den Medien und mit mir selbst, das Älterwerden. All das möchte ich nehmen und Neues erleben. Ich möchte mich immer wieder verändern.

Was bedeutet das für Ihre Musik? 

Louisan: Mein Anspruch ist, mich nicht zu wiederholen. Ich bin froh, meine eigene kleine Nische in der Pop-Branche gefunden zu haben und etwas zu haben, das so speziell ist. Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich mich musikalisch noch mal verändern möchte.

Gibt es eine Musikrichtung, die Sie gern ausprobieren würden? 

Louisan: Ja. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mal ein elektronisches Album aufnehme. Das klingt jetzt etwas seltsam, aber ich hab da schon eine Vision. Was noch fehlt, sind Leute, mit denen ich das umsetzen kann.

Von Verena Koch

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