Neu im Kino: Dieter Hallervorden (78) läuft „Sein letztes Rennen“ und seinem Image als Ulknudel davon

Eine Legende spielt eine Legende

Er läuft und läuft und läuft: Dieter Hallervorden als Marathon-Legende Paul Averhoff in Kilian Riedhofs Tragikomödie „Sein letztes Rennen“. Foto: Universum

So hat sich Paul Averhoff den Herbst seines Lebens nicht vorgestellt. Der olympische Laufheld von einst ist gerade mit seiner Frau ins Altenheim gezogen, wo er mit anderen Senioren „Der Herbst ist da“ singt und Kastanienmännchen bastelt. Kastanienmännchen können doch nicht der Sinn des Lebens sein, denkt er sich.

Die Jahreszeiten gehen vorbei, „und irgendwann hat man sich tot gebastelt“, sagt er: Die anderen Alten in der Runde gucken entsetzt.

Averhoff wird in Kilian Riedhofs Tragikomödie „Sein letztes Rennen“ von Dieter Hallervorden gespielt. Der 78-Jährige macht das sehr gut, aber trotzdem glaubt man jeden Moment, dass dieser Averhoff vom Basteltisch aufsteht und „Palim, Palim“ ruft. Das hat Hallervorden einst in seinem berühmtesten Sketch gesagt. Als „Didi“ war der Komiker so berühmt, dass man fast vergaß, dass er eigentlich ein ernsthafter Schauspieler ist.

Auch Regisseur Riedhof ist mit Didi und Serien wie „Nonstop Nonsens“ aufgewachsen. Für den 42-Jährigen war früh klar, dass niemand anderes als Hallervorden die Hauptrolle spielen sollte. Die Legende musste selbst eine Legende sein. Der fiktive Film-Averhoff holte 1956 olympisches Gold im Marathonlauf. Nun sitzt er mit seiner Frau (Tatja Seibt) im Altenheim und bastelt Kastanienmännchen – bis er beschließt, noch einmal den Berlin-Marathon zu laufen.

Das finden weder seine Tochter (Heike Makatsch) noch die Heimleiterin (Katrin Sass) gut, die ihm das Training im Park untersagt. „Man kann doch einem Fisch nicht das Schwimmen verbieten“, sagt Averhoff und rennt weiter – in uralten Schuhen und mit Beinen, die mit Franzbranntwein eingeölt werden.

Manchmal ist nicht klar, was der etwas zu lange Film eigentlich erzählen will: eine Geschichte über den Kostendruck im Pflegebereich oder einen Vater-Tochter-Konflikt? Manche Figuren sind klischeehaft überzeichnet, zudem nervt die kitschige Musik. „Sein letztes Rennen“ rührt trotzdem zu Herzen – wegen Hallervorden, der seinem Image als Ulknudel endlich davonlaufen kann.

Gut gemacht sind die Rennszenen, für die Hallervorden Monate lang trainiert und neun Kilo abgenommen hat. Gedreht wurde im Herbst 2012 beim echten Berlin-Marathon mit 40 000 Startern. Das Schwierigste dabei, sagt Hallervorden, war nicht das Laufen, sondern zu verhindern, dass Läufer oder Zuschauer „Didi“ rufen. Nun können sie ihn im Kino als Dieter Hallervorden neu entdecken.

Genre: Tragikomödie

Ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

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