Das Baltic Dance Theatre zeigte im Opernhaus „Romeo und Julia“ als Kontrast zweier Kulturen

Eine Liebe, die nicht sein darf

Bagdad statt Verona: Romeo und Julia kommen sich näher - mit bekanntem Ende. Foto: Schoelzchen

Kassel. Zwei Namen – ein Symbol. Für eine Liebe, die nicht sein darf, weil Fremdenhass, Gesellschaft und starre Religion ihr das Recht zu leben verbieten wollen. Das „Baltic Dance Theatre“, 2010 von der polnischen Balletttänzerin und Choreografin Izadora Weiss gegründet, hat William Shakespeares Liebestragödie in einer wunderbaren Inszenierung aktuelle Bezüge gegeben.

Die Geschichte spielt im heutigen Bagdad. Julia lebt dort als streng behütete junge Frau. Zum Auftakt dann ein Bild wie aus den Fernsehnachrichten: Auf der Videoleinwand erscheint eine Wüstenlandschaft. Die Sonne brennt. Der Sandteppich glüht gold-gelb. Ein Kampfhubschrauber kommt ins Bild.

Wie ein drohendes Rieseninsekt verharrt er in der Luft. In seinem Bauch: fremde Soldaten. Einer von ihnen heißt Romeo. Film-Stopp, Vorhang auf. Zunächst benehmen sich die Soldaten wie Touristen, posen für Fotos. Der erste Tanz verschmilzt militärisches Körpertraining mit Elementen des Modern Dance. Schon jetzt fasziniert die jugendliche Dynamik der Tänze.

Eine Disco ist der nächste Schauplatz. Auf dem Weg dorthin begegnen die Uniformierten einer Frau mit Burka. Überlebensgroß erscheint die Fremde zeitgleich auf der Leinwand. Der Kontrast der zwei Kulturen brennt sich dem Betrachter ein. In der Disco tanzen die Soldaten mit offenherzig gekleideten Frauen zu türkischer Popmusik. Auch Julia ist da. Behütet von ihrem Bruder. Sie trägt Weiß, unschuldig und rein. Romeo erblickt sie. Die Liebe nimmt ihren Lauf – die Tragik ebenfalls.

Das Ende ist bekannt. Erzählen aber sollte man von der eindringlichen Kraft und Atmosphäre dieser Inszenierung. Von den unglaublich guten Tänzern und Izadora Weiss’ Choreografien. Von der Musik, die sie dafür ausgesucht hat: Kompositionen von Prokofjew bis Lisa Gerrand, von Beethoven bis Santaolalla. Viele davon erklangen mit spanischer Gitarre.

Bilder, die berühren: Nachdem Romeo ihren Bruder getötet hat, bricht Julia zusammen. Hinter ihr auf der Leinwand zerbröckeln die Schriftzeichen ihrer Kultur. Minutenlang anhaltender Applaus der 350 Zuschauer.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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