Die erste posthume Biografie des Komikers Loriot

Eine Marke wie Tempo und Nivea

An diesem Freitag - noch nicht einmal zwei Wochen nach dem Tod des großen Komikers - kommt die erste posthume Loriot-Biografie auf den Markt. Geschrieben hat sie der Journalist Dieter Lobenbrett, „wahrscheinlich Deutschlands größter Loriot-Fan“, wie der Riva-Verlag ankündigt.

Das Buch soll eine Zeitreise durch Leben und Werk Vicco von Bülows sein und erzählen, „wie aus Vicco von Bülow Loriot wurde“. Es beginnt mit dem Kapitel „Kindheit und frühe Jugend“ und endet mit „Der unruhige Ruhestand“. Lobenbrett hat so ziemlich alles zusammengetragen, was je über Loriot geschrieben wurde, zitiert Interviews, Berichte und eine Dissertation.

Herausgekommen ist ein sehr detailliertes Nachschlagewerk zum Leben Vicco von Bülows, aber keine einfühlsame Charakterstudie des Humoristen. Es liest sich mehr wie das Werk eines fleißigen Bewunderers als das eines Insiders.

Lobenbrett hat vor allem Daten und Fakten zusammengetragen und sogar ein Zeugnis des fast siebenjährigen Vicco von Bülow ausgegraben. Im Buch folgen die Kriegs- und dann die Nachkriegsjahre, in denen Vicco von Bülow nach der Rückkehr von der Ostfront sein Abitur in der niedersächsischen Provinz nachholte und schließlich - mithilfe von Aktzeichnungen von seiner Freundin, deren Namen er geheim hielt - an der Hamburger Landeskunstschule aufgenommen wurde.

„Ja, ja, mit dem Strich ist viel Geld zu verdienen“, orakelte sein damaliger Lehrer, wie Loriot sich erinnerte. In Hamburg lernte der junge von Bülow auch seine Romi kennen, mit der er sein Leben lang zusammenbleiben sollte. Viele Sketche, so schreibt Lobenbrett, sind dem Eheleben der von Bülows entsprungen.

Der Journalist beschreibt die Schlaglichter und Meilensteine in Loriots Karriere, nennt natürlich Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner in der Badewanne, „Wum und Wendelin“ und Loriots legendäre Sketch-Partner Heinz Meier und Evelyn Hamann, die der Humorist mit seinem Hang zur Perfektion vor große Herausforderungen stellte.

Bei seinen Auflistungen hält sich der Autor respektvoll zurück und wagt sich nur selten in den Vordergrund. Dann würdigt er Loriots Arbeit: „Ein Humor, der dezent ist, der Grenzen hat, der deshalb angenehm leise wirkt und nie verletzend.“ Oder er schreibt Dinge wie: „Mit ihm war eine deutsche Marke geboren, so prägnant wie Tempo oder Nivea.“ (dpa)

Dieter Lobenbrett: Loriot - Biographie. Riva-Verlag, 17,99 Euro. Wertung: !!!!:

Von Britta Schultejans

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