War früher alles besser? Das Al Andaluz Project spielte alte andalusische Musik in der Kreuzkirche

Eine mitreißende Forschung

Eine Vermischung der Stile: Die Gruppe Al Andaluz Project spielte Musik aus der Zeit, als Andalusien vorwiegend vom Islam geprägt wurde. Foto: Fischer

Kassel. Ob das muslimisch geführte Al Andalus (Provinz in Spanien von 711 bis 1422) nun wirklich ein Paradies für Glaubensgemeinschaften und Kulturschaffende war, oder ob sich fleißige Demokratie-Archäologen die damaligen Realitäten nur durch eine sehnsuchtsverklärte Geschichtsdarstellung schöndenken, darüber wird in Fachkreisen kräftig diskutiert. Dass die überlieferte Musik aus dieser Ära von unterschiedlichsten Einflüssen geprägt ist und dass es sich immer noch um höchst attraktives Klangmaterial handelt, das bewiesen die acht Musiker der Gruppe Al Andaluz Project bei ihrem Konzert in der voll besetzten Kreuzkirche.

Und Bandleader Michael Pop beließ es nicht bei einer rein musikalischen Darbietung. Er klärte auf, übersetzte die Texte, stellte gesellschaftliche Zusammenhänge her: Dass Moslems, Juden und Christen sich damals gegenseitig inspirierten, sich Bräuche und Sitten friedlich vermischten. Dass Komponisten nordafrikanische Melodielinien und Rhythmik mit sakralen Elementen und der Sprache der Sepharden, dem sogenannten Ladino, in ihren Liedern vereinten.

Dass trotz dieser eloquent vorgetragenen Informationsflut die Musik nicht an den Rand gedrängt wurde, lag an der Virtuosität der einzelnen Sänger und Instrumentalisten. In einem geschmeidig agierenden Bandkorpus setzten der Kanoun--Spieler (Zither) Aziz Samsaoui (Marokko) und die drei Sängerinnen Mara Aranda (Spanien), Sigi Hausen (Deutschland) und Iman Al Kandoussi (Marokko) die Big Points. Auch die restlichen vier Pulsgeber an der Sas, der Leier, der Laute und der Perkussion sorgten für Stringenz, Qualität und Atmosphäre.

Geschichtliche Ursprünglichkeit zu erleben, hat seinen Reiz, und gerade die energetische Erfahrbarkeit in einem guten Konzert begeistert das Publikum. So gab es reichlich Applaus und Zustimmung für die mitreißende Forschungsgruppe Andalusien.

Von Andreas Köthe

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