Bischof Hein und Dirigent Ringborg über den biblischen David

Eine Mutmachgeschichte

Im Gespräch über König David: Der kurhessische Bischof Martin Hein (links) und Generalmusikdirektor Patrik Ringborg. Foto: w.f.

Kassel. Die Szene, wie der junge David mit einer Steinschleuder den Riesen Goliath besiegt, gehört zu den bekanntesten Geschichten des Alten Testaments. Der Komponist Arthur Honegger hat in seinem Oratorium „Le Roi David“ (König David) von 1921 das Leben dieser biblischen Figur nachgezeichnet. Am Mittwoch führt Generalmusikdirektor Patrik Ringborg das Werk mit dem Kasseler Staatsorchester im Bußtagskonzert auf. Wir sprachen mit dem Dirigenten und mit Bischof Martin Hein über die David-Figur.

Was sagt uns heute der alttestamentarische David?

Bischof Martin Hein: Zunächst kann man den Kampf Davids gegen Goliath als Mutmachgeschichte verstehen. Nicht immer siegt der Starke und Mächtige. Dann ist David durch seine Psalmen zum Liederdichter des Alten Testaments geworden. Und nicht nur das. Er ist auch Musiker: Mit Harfenspiel wirkt er beruhigend auf König Saul ein, wenn der Dämon über ihn kommt.

Patrik Ringborg: Das Reizvolle ist, dass Davids Geschichte so spannend ist. Sein Leben - er wird ein großer König, lädt aber auch eine Menge Schuld auf sich - ist nicht nur gut und klar vorgezeichnet. Honegger zeigt das in seiner Musik, die fast eine Schauspielmusik ist. Man hört Davids Qualen, erahnt die Schönheit seiner Geliebten Bathseda, die er einem Soldaten wegnimmt, und das verklärende Ende ist wie ein Hollywood-Finale, eine Art Engel-Weihnachtsmusik.

David wird oft als heldische Figur gesehen. War er das?

Hein: Die Bibel schönt Davids Leben keineswegs. Da gibt es auch Schuld und Versagen, das kritisch beleuchtet wird. Übrigens auch sein Überschwang: Bei Davids ekstatischem Tanz um die Bundeslade wird beispielsweise sichtbar, dass er keine Unterwäsche trägt. Ihm ist also nichts Menschliches fremd. Wenn die krummen Lebenslinien aber doch in Harmonie enden, so verweist das auf das geheime Wirken Gottes.

Ringborg: Auch Honegger zeigt David in seiner Widersprüchlichkeit. Die „Fällung“ Goliaths wird beispielsweise gar nicht bebildert.

Welche Bedeutung hat David im Judentum?

Hein: Eine sehr große. Er ist der Begründer der Königsdynastie Israels. Als Gesalbter König verweist er für Christen auch auf den Gesalbten Christus. Nicht zufällig ist David auch für den modernen Staat Israel eine Symbolfigur, wie der Davidsstern auf der israelischen Flagge zeigt.

Zu den Personen: Prof. Dr. Martin Hein (56) ist seit 2000 Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Patrik Ringborg (45) ist seit 2007 Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel. Bußtagskonzert: Mittwoch, 17.11., 20 Uhr, Stadthalle Kassel. Karten: Tel. 0561/1094-222.

Von Werner Fritsch

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